Foto: Conny Zenk
Foto: Conny Zenk

Welche Smartphone-UserInnen können von sich behaupten, die »Selfie«-Funktion noch nie verwendet zu haben? Der Blick auf den Screen ist selbstverständlicher geworden als ein morgendlicher Blick in den Spiegel. Nur dass man vor dem Spiegel alleine ist. Beim »Selfie« könnte hingegen immer jemand zusehen, wenn wir unsere Daten in die virtuellen Techno-Landschaften strömen lassen. Wir sind längst nicht nur Teil unserer persönlichen Netzwerke, sondern ordnen uns in eine unsichtbare Masse ein, folgen Programmen und Pattern, die unser Verhalten bestimmen.

Die passiven NutzerInnen oder ZuschauerInnen der Vergangenheit haben sich in aktive TeilnehmerInnen kultureller Produktion gewandelt, argumentiert der Technologie- und Medienforscher Mirko T. Schäfer in seinem Buch Bastardkultur. »Partizipation« ist zu einem Schlüsselkonzept einer erweiterten Kulturindustrie unter einem kapitalistischen Imperativ geworden. In den sozialen Medien überblenden sich die Interessen heterogener NutzerInnengruppen und ihrer Praktiken: Das Web 2.0 als Geschäftsfeld wird genutzt, in Frage gestellt, gehackt und weiter entwickelt in einer ständigen Schleife der gegenseitigen Überblendung von Industrie-Interessen und selbstbestimmter Aneignung.

Der Performer und Choreograph Daniel Aschwanden lädt an zwei Terminen gemeinsam mit der Medienkünstlerin Conny Zenk zum Workshop Bastard Crowding: Erforscht werden Praktiken des Überblendens zwischen Fremdbestimmung und Aneignung durch choreographische Interventionen und Nutzung digitaler Bildproduktion. Die Mitglieder der »Gadget«-Gesellschaft bilden Smartphone-Schwärme im öffentlichen Stadtraum und geben sich der fröhlichen Selbstüberwachung hin. Temporäre Bewegungschöre formen scheinbar chaotische und doch stringente Bewegungsskulpturen, die unser alltägliches Verhältnis von Körper und Tech-Gadgets unter die Lupe nehmen.

Daniel Aschwanden
ist Performer und Choreograf und arbeitet in den Bereichen zeitgenössischer Tanz und Urbanismus.

Conny Zenk
ist Video- und Medienkünstlerin mit Fokus auf transdisziplinäre Performances.

Keinerlei Vorkenntnisse notwendig. Bewegungsfreundliche und wettertaugliche Kleidung plus Smartphone mitbringen! Der 1-tägige Workshop findet an zwei Terminen statt: Samstag, 4. Oktober 2014, 10 - 16 Uhr, Tanzquartier, 7., Museumsplatz 1 oder Samstag, 11. Oktober 2014, 10 - 16 Uhr, Ver:schwender, 15., Schwendergasse 35 - 37. Begrenzte Platzanzahl, wir bitten um Anmeldung oder unter: mail@urbanize.at | Unkostenbeitrag: 12 Euro, dérive-AbonnentInnen und Studierende: 8 Euro.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Tanzquartier Wien.