Checkpoint Sandleiten: Zugehörigkeiten und gebaute Ideologie

Foto: Verena Röll
Foto: Verena Röll

Der Sandleitenhof wurde als der größte Gemeindebau des Roten Wien 1924-1928 in fünf Etappen erbaut. Heute leben dort über 4.000 Menschen in 1.587 Wohnungen. Ursprünglich wurde der Sandleitenhof mit 75 Geschäftslokalen, 58 Werkstätten, 71 Lagerräumen, drei Ateliers, drei Kinderhorten sowie einem Postamt in einer parkähnlichen Anlage als Stadt in der Stadt errichtet, einem ganzheitlichen, den Wohn- und Lebensbedürfnissen der BewohnerInnen angepassten sozialdemokratischen Konzept. Heute bietet sich dort ein anderes Bild: Die einst homogene BewohnerInnenschaft ist bunt gemischt und den BewohnerInnen stehen nur wenige Orte für ein gemeinschaftliches Zusammentreffen zur Verfügung. Die Führung von Architekt und Ottakring-Experten Kurt Smetana begibt sich auf Spurensuche nach Sandleiten und führt durch den Sandleitenhof und den Kongresspark.

Im anschließenden Werkzeug-Gespräch im ehemaligen Elektropathologischen Museum erzählt Kurator Florian Bettel von seinen Erfahrungen und den methodischen Herangehensweisen im Bewegten Wohnzimmer, einem als partizipativen Wissentransfer angelegten Projekt in Zusammenarbeit mit Gemeindebau-BewohnerInnen, das sowohl der künstlerischen als auch der sozialwissenschaftlichen Forschung diente. Über die Erkenntnisse des Projekts zu Fragen der Konstruktion von Grenzen, Pauschalisierung von Ethnizität und multidimensionalen Kategorisierungen soll im Austausch mit Bojan Matusic, langjähriger, engagierter Bewohner des Sandleitenhofs und praxiserfahrener Kenner der Nachbarschaft, diskutiert werden. Den Mittelpunkt des Gesprächs bildet das Thema Wohnen im Gemeindebau, in dem immerhin rund ein Viertel der Wiener Bevölkerung lebt. Unter musikalischer Begleitung von Der Machatschek öffnet der Abend ein weiteres Fenster zum längst fälligen Nachdenken darüber, wie der geschichtsträchtige Gemeindebau des Roten Wien für Gegenwart und Zukunft neu gedacht, definiert und gelebt werden kann.

Programm
18 Uhr Treffpunkt: 16., Matteottiplatz
Führung durch Sandleiten mit Architekt Kurt Smetana.

19 Uhr ehem. Elektropathologisches Museum, 16., Gomperzgasse 1-3
Gesprächsrunde mit Florian Bettel, Kulturwissenschafter, Kurator, Universität Salzburg, und Bojan Matusic, Gemeindebau-Bewohner und Grätzelkenner, sowie Musik von Der Machatschek.

Werkzeug-Gespräche 2013: Checkpoint Sandleiten

2013 setzt Soho in Ottakring die 2011 begonnene Reihe Werkzeug-Gespräche fort. Der Fokus der Werkzeug-Gespräche 2013 liegt auf dem neuen Arbeitsfeld von Soho in Ottakring, dem Gebiet Sandleiten im Nordwesten Ottakrings. Die Themen der insgesamt fünf Abende sind eine Reflexion über dramatische Ereignisse in der Geschichte Sandleitens, über das vergangene und gegenwärtige soziale Leben, über Baukultur und mögliche Entwicklungspotenziale.

In allen Werkzeug-Gesprächen wird das Wissen von ExpertInnen aus Geschichtswissenschaft, Soziologie, Wohnbau, Architektur und Kunst mit dem Alltagswissen der BewohnerInnen des Gebiets als ExpertInnen der Praxis zusammengeführt. Die Werkzeug-Gespräche bilden eine lustvolle Auseinandersetzung mit Gegenwart und Geschichte, eine Einladung zum Zuhören, Mitreden, Mitdiskutieren, Nach- und Vordenken. Livemusik inklusive.

BewohnerInnen, AnrainerInnen und alle Personen mit Interesse an Sandleiten und seiner Entwicklung sind herzlich eingeladen, ebenso wie KünstlerInnen und Kulturschaffende mit Interesse für das Gebiet und an künstlerischer Praxis im sozialen Raum.

Konzept: Ula Schneider, Wolfgang Schneider, Beatrix Zobl

Detailliertes Programm siehe Soho in Ottakring.