Der Film hat wie kaum ein anderes Medium die Großstadt geprägt und dynamische Wahrnehmungsweisen geschaffen: mehr oder weniger glückliche Einübungen ins urbane Leben. Abseits des Erzählkinos berichten unabhängige, nicht-industrielle Werke wie Amateur-, Dokumentar- oder Avantgardefilme vom Eigensinn und vom widerständigen Potenzial dieses Mediums – sei es durch die Kontingenz der filmischen Bilder, die extreme Kristallisation der Form oder die Fokussierung auf neue politische Gemeinschaften. „Die Stadt filmen – von unten“ bietet einen Querschnitt durch die Möglichkeiten, Stadt anders wahrzunehmen, und das heißt auch: sie sich sinnlich-anders anzueignen. Vom Leitfaden des Kinderspiels in Jacques Rivettes Le Pont du Nord zur Stadt-Expedition der Wiener Amateurin, von den Phantom Rides der frühen Kinoamateure zum Agitationsfilm der „ARENA“-Nachfolger.

Kurt Kren: 5/6 Fenstergucker, Abfall etc. 1962, Foto: © Sammlung Österreichisches Filmmuseum
Kurt Kren: 5/6 Fenstergucker, Abfall etc. 1962, Foto: © Sammlung Österreichisches Filmmuseum

Das Österreichische Filmmuseum und das Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft präsentieren mit Filmen und Gästen Stadtgeschichte(n) von unten und umspannen dabei einen Zeitraum von 1929 bis 2012. Ergänzt werden die vier filmischen Diskursprogramme durch einen Vortrag des Kulturwissenschaftlers Klaus Ronneberger über Jacques Tati, Henri Lefebvre, Guy Debord und die Situationistische Internationale.