Jacques Tati: Playtime, Foto: © Sammlung des Österreichischen Filmmuseums
Jacques Tati: Playtime, Foto: © Sammlung des Österreichischen Filmmuseums

Auf den ersten Blick mag es abwegig erscheinen, Parallelen zwischen den kulturpessimistisch angehauchten Filmen des Regisseurs Tati und den kulturrevolutionären Positionen von Debord und Lefebvre herzustellen. Bei näherem Hinsehen lassen sich jedoch gewisse inhaltliche Überschneidungen entdecken. Übergreifend geht es um eine grundlegende Entfremdungskritik an der (kapitalistischen) Moderne und um eine Reflexion, was die sozialräumlichen Effekte von baulichen Umwelten auf menschliche Verhaltensweisen anbetrifft. Zwar divergieren die politischen und ästhetischen Orientierungen der drei Intellektuellen erheblich, was sie aber eint, ist der Glaube an eine vitale Widerstandskraft der Menschen gegenüber den Zumutungen der urbanistischen Rationalität. Während Jacques Tati vor allem auf die spontane Selbstorganisation der Individuen setzt, betonen Henri Lefebvre und Guy Debord stärker die bewusste (politische) Aktion der Subjekte.

Direkt im Anschluss an den Vortrag Filmprogramm Dérive: Die Geheimnisse von Paris mit Filmen von Guy Debord und Jacques Rivette. Darüber hinaus zeigt das Österreichische Filmmuseum am 11.10.2012 Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“ und am 13.10.2012 Jacques Tatis „Playtime“.

Klaus Ronneberger
Studium der Kulturanthropologie und europäischen Ethnologie, der Soziologie und Politikwissenschaften in Frankfurt am Main. In den 1990er Jahren Mitarbeiter am Institut für Sozialforschung (Frankfurt am Main). Heute freier Publizist. 2006-2007 Mitarbeiter der documenta 12. 2008 Gastprofessur an der Universität Kassel. 2010/2011 Lehre an der dortigen Uni.

Eine Veranstaltung von urbanize! Internationales Festival für urbane Erkundungen in Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum.