Barbara Holub

Barbara Holub ist Künstlerin und Mitglied von transparadiso, einer Platform für Architektur, Urbanismus und Kunst.

Carola Dertnig

Paul Rajakovics


Im Rahmen des Projektes Realness Respect im Grazer Kunstverein Medienturm fand am 29. September 2012 als ein Schwerpunkt die Performance Again Audience von Carola Dertnig statt. Der Kurator Sandro Droschl suchte für Realness Respect, das Teil des Steirischen Herbstes 2012 war, Positionen, »die auf die spürbare Differenz zwischen subjektiv wahrgenommener und medial vermittelter, gemeinsamer Realität reagieren«.
Carola Dertnig baute für dieses Projekt eine mobile, mit einem Wagen einfach transportierbare Rednerbühne. Eine Tafel und ein Scherengitter vervollständigen das Set. Durch den Einsatz dieser Elemente hinterfragt Dertnig die unmittelbare Autorität der Rednerbühne, da die Tafel einerseits potenzielle Inhalte dogmatisch erhöht und anderseits der Scherenzaun als symbolisches Element die Differenz zwischen Rednerin und Auditorium überhöht. Carola Dertnig bezieht sich bei diesem Entwurf auf eine nicht realisierte Arbeitertribüne von Alexander Rodtschenko, der ab etwa 1922 im Sinne des Produktivismus Objekte für den gesellschaftlichen Gebrauch statt Kunstwerke konzipierte.
Dertnig, deren Grazer Performance am so genannten Hier ist Platz stattfand, trug Begriffe von »Again« bis »Zoom« in alphabetischer Reihenfolge vor. Auf der Doppelseite ihres Inserts für dérive ist der Großteil der Wörter, die den sprachlich-performativen Teil des Projektes darstellen, zu finden und lesen. (Die Performance ist auch als Video dokumentiert: http://www.youtube.com/watch?v=I99itsftznA&feature=endscreen&NR=1)
Als Abschluss der Performance wird die Bühne abgebaut und abtransportiert, um sie anderorts gleich wieder aufzubauen. Dabei ist nicht nur Sprache performatives Mittel, sondern das Objekt selbst wird durch das Zusammenschieben der Teile (unter potenzieller Mithilfe des Publikums) zum Gegenstand kollektiver Performance.
Carola Dertings Arbeit ist immer sehr stark von Kommunikation geprägt, Kommuni­kation, die Themen wie Identität, das Selbst und seine Position in der Gesellschaft, Genderfragen oder deren Klischees betreffen. Dabei stellt sie die komplexen Themenfelder nicht verbal an den Pranger, sondern bearbeitet diese mit künstlerischen Mitteln und oft mit einem entwaffnenden Augenzwinkern. Man denke hierbei etwa an ihre Videoarbeiten von biketroubles von 1998 bis zu stroller von 2008 oder an a car von 2010.
Carola Dertnig arbeitet seit vielen Jahren mit der Galerie Andreas Huber zusammen. Die ursprünglich aus Tirol stammende Künstlerin lebt nach langjährigem New York Aufenthalt heute in Wien und unterrichtet »Performative Kunst« an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Gemeinsam mit Felicitas Thun entsteht gerade eine Publikation zum Thema Forschung und Lehre in der performativen Kunst. Im Jänner ist Carola Dertnig in einer von Aliocha Imhoff kuratierten Ausstellung im Betonsalon (http://www.betonsalon.net/) in Paris zu sehen. In Wien wird Carola Dertnig im Juni in einer von Gustav Schörghofer kuratierten Ausstellung in der Zacherlfabrik (http://www.zacherlfabrik.at) zu sehen sein.


Heft kaufen