Rallyefahrt
Kunstinsert von Oliver Hangl und Karin TriendlWas ist das Gebetsbuch der Rallyefahrerinnen? So oder so ähnlich könnte man in diese Arbeit von Oliver Hangl und Karin Triendl einsteigen. Diesmal gibt es vor und nach der Mittelseite jeweils eine Seite mit Zeichen zur Choreographie einer Rallyefahrt. Diese realen Rallye-Transkriptionen führen durch Wagramer Straße und Triester Straße, wo Cornelia T. in ihrem Punto und Stefan G. in seinem Focus jeweils ihre Herausforderung im urbanen Raum finden. Die Stadt als illegaler Rallyeparcours wird dabei fast zum kollektiven (Auto)sehnsuchtsraum. Die Mittelseite selbst ist ein Abriss der Millisekunden zwischen Schalten, Lenken, Bremsen bzw. der Kontrolle des Fahrzeuges. Doch die Arbeit eröffnet viel mehr als einen Rückblick auf individuelle Automythen wie z. B. die journalistisch ausgeschlachteten Wettfahrten zwischen Niki Lauda und Franz Wittmann auf der Kärntnerstraße irgendwann um 1970. Die Künstlerinnen treten für einen Hedonismus zwischen Verbotenem, Tempo, Auto und der Geschwindigkeit von Stadt ein. Dabei wird die Frage nach Urbanität und ihrer Geschwindigkeit neu gestellt: Es werden Bezugssysteme des Urbanen unter dem Blickwinkel von „Monte Carlo“ mit dem Alltäglichen verknüpft. Das Verhältnis von Lust und Urbanität liegt ganz in der Arbeitsweise der beiden Künstlerinnen: Beide haben sich fast spielerisch aus einer anderen Disziplin kommend an die bildende Kunst angenähert. Karin Triendl kommt ursprünglich von der Architektur, wo sie sich bis dato auch wieder findet. Hier erscheinen Spiel und Passion zum Stadtraum als selbstverständlich. Oliver Hangls Karriere begann ursprünglich im Theaterbereich, wo er von Schauspiel und Regie über Video zu seinen Arbeitsfeldern (Film, Mythos, Theater, Show usw.) und deren Medialisierung in der bildenden Kunst gefunden hat. Bei „ Gürtel On Ear ", einem aktuellem Projekt Oliver Hangls, ist der Real-Stadtraum ebenfalls hedonistisches Aneignungspotenzial, nur dass hier die Musik und nicht der Rallyesport den Zugang schafft.
Karin Triendl
Oliver Hangl ist Künstler in Wien und betreibt seit 2008 betreibt er den Projektraum k48 – Offensive für zeitgenössische Wahrnehmung.
Paul Rajakovics ist Urbanist, lebt und arbeitet in Wien.
Barbara Holub ist Künstlerin und Mitglied von transparadiso, einer Platform für Architektur, Urbanismus und Kunst.