Claudia Märzendorfer: für die Vögel/ for the birds; Landesklinikum Hollabrunn — Ein Projekt von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich, 2019; Foto — Jeanette Pacher
Kontinuierliche Offenheit, intensiver Austausch sowie ein Bewusstsein für die Komplexität von öffentlichen Räumen
Ein Gespräch mit Katrina Petter, Leiterin von *Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich *Die Realisierung zeitgemäßer Kunst im öffentlichen Raum gestaltet sich als komplexer Vorgang: Bedürfnisse der Gesellschaft wollen erfüllt, Infrastrukturen des Zusammenlebens verbessert und vielseitige künstlerische Prozesse, die teils mit Gewohnheiten brechen, zugelassen werden. Als Schnittstelle zwischen Künstler*innen, Gemeindevertreter*innen, Architekt*innen, Gutachter*innengremium und weiteren in Kunstvermittlung und Prozesse involvierten Personen verwirklichte Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich (KOERNOE) in den bisherigen 30 Jahren seines Bestehens mehr als 600 permanente und temporäre Projekte. Europaweit findet sich kaum eine andere Region mit einer derart dichten Konzentration von künstlerischen, barrierefreien Projekten, die direkt an Gemeinden und kommunale Einrichtungen angedockt sind. Frei zugänglich für alle sieht sich Kunst im öffentlichen Raum mit verschiedenen Interessen und Öffentlichkeiten konfrontiert. Ursula Maria Probst hat für dérive mit Katrina Petter, Leiterin von KOERNOE, ein Gespräch unter anderem über Relevanz, Rolle, neue Konzepte und Konstellationen sowie Vermittlungsarbeit von Kunst im öffentlichen Raum geführt.
Ursula Maria Probst: Was ist die gesellschaftliche Relevanz von Kunst im öffentlichen Raum heute?
Katrina Petter: Der Begriff der Kunst im öffentlichen Raum war über die Jahrzehnte hinweg die Klammer für sehr viele unterschiedliche Ansätze, Strömungen und Umsetzungsformen und so hat nach wie vor jede*r ganz andere Objekte oder auch Szenarien im Kopf, wenn die Rede von Kunst im öffentlichen Raum ist. Das »heute« ist eine gute Ergänzung, macht die Beantwortung der Frage aber nicht wirklich leichter. Während die einen vielleicht gleich an Kreisverkehre oder spektakuläre Drop Sculptures denken, haben andere wiederum Street Art im Kopf, andere mehr partizipative Prozesse, performative und temporäre Interventionen in urbanen Gefügen oder auch Kunst am Bau.
Die Zugänge und Aufgaben gestalten sich also je nach Situation und Ausgangspunkt divers.
Der zentrale Aspekt, um gesellschaftliche Relevanz für sich in Anspruch nehmen zu können, egal in welche Richtung die Kunst im öffentlichen Raum nun gedacht wird, scheint mir ein Bewusstsein für die Komplexität von öffentlichen Räumen zu sein; wie die Nutzung und in weiterer Folge die Entstehung von Öffentlichkeiten und von Gemeinschaft durch diese Räume mitdefiniert werden. Das Potenzial der Kunst liegt für mich darin, zum einen dieses Bewusstsein zu vermitteln und zum anderen, alternative Sichtweisen, Nutzungen, Gestaltungen u.v.m. aufzuzeigen.
Für welche Bereiche wird dieses Potenzial aktuell
fruchtbar gemacht?
Die Möglichkeiten von Kunst werden von immer mehr Bereichen wahr- bzw. auch ernstgenommen. Zum Beispiel hat die WHO unlängst einen Bericht veröffentlicht, wie Kunst Gesundheit fördern bzw. positive Inputs im Gesundheitssektor einbringen kann. In Niederösterreich konnten vor allem bei Pflege- und Betreuungseinrichtungen gelungene Projekte wie zum Beispiel jenes von Regula Dettwiler in Tulln oder aktuell von Kateřina Šedá in Hainfeld realisiert werden. Bei beiden geht es darum, ein Angebot für die Bewohner*innen zu schaffen und generationenübergreifend zu denken. Bei öffentlichen Bauvorhaben oder im Wohnbau wird Kunst nicht mehr nur als Pflicht betrachtet, der Restflächen überlassen werden, sondern verstärkt als Kür, als wichtiges gestalterisches, identitätsstiftendes Element gesehen, das sich positiv auf die sozialen Gefüge innerhalb von Gebäudekomplexen bzw. hin zum Umraum auswirken kann. Aber auch für den Tourismus gewinnen Kunstprojekte im öffentlichen Raum zusehends an Bedeutung.
Welche neuen Konzepte findest du derzeit für die Arbeit von KöR Niederösterreich besonders beachtenswert?
In Hinblick auf die Art, wie, also entlang welcher Prozesse Kunst im öffentlichen Raum realisiert wird, stellt die Gesellschaft der Neuen Auftraggeber und deren Initiativen in Deutschland einen zuletzt viel beachteten Ansatz dar. Dabei geht es darum, dass mit der Bevölkerung bzw. Interessierten einer Gemeinschaft, eine intensive Auseinandersetzung damit, wonach Bedarf besteht, in welchem Kontext Kunst einen Beitrag leisten kann, geführt wird und dann zusammen mit einer Künstlerin, einem Künstler ein Projekt erarbeitet wird. Diese Intensivierung des Austauschs und differenzierte Analysen, was die Initiator*innen von Kunst in spezifischen Kontexten erwarten und was sie einbringen kann, soll in Zukunft auch in Niederösterreich verstärkt verfolgt werden.
Wie steht es bei einer Beauftragung um die Freiheit der Kunst?
All den erwähnten Beispielen ist gemein, dass der Kunst eine klare Aufgabe, eine Funktion zukommt, dass sie in die jeweiligen Kontexte einen Mehrwert bringen soll. Dadurch werden die Kunst und die Kunstschaffenden zum einen ernst genommen und sie stellt eine Anerkennung dar. Zum anderen ist sie aber gleichzeitig mit vielen Erwartungen und Rahmenbedingungen verbunden. Hier hängt es stark von den Auftraggeber*innen ab, wie autonom sich die Kunst einbringen kann bzw. wie stark die Kunst innerhalb des jeweiligen Kontextes ihre Freiheiten einfordern kann. Eine wichtige Rolle als Schnittstelle nimmt dabei die KOERNOE ein.
Derzeit werden durch die Covid-19-bedingten Lockdowns zunehmend Kunstaktivitäten in den Außenraum verlagert und Kunst im Freien propagiert.
Covid-19 und die damit einhergehenden Lockdowns und Verordnungen haben ohne Frage den Blick auf den öffentlichen Raum geschärft bzw. dessen Bedeutung verstärkt in den Fokus gerückt. Das letzte Jahr hat gezeigt, wie wichtig öffentlich zugängliche Räume und Naherholungsgebiete gerade im urbanen Umfeld sind. Diese Sensibilisierung hat zum Beispiel Initiativen zur Umfunktionierung von Flächen des Individualverkehrs für Freizeitgestaltung, Naherholung und gemeinschaftliche Nutzung Rückenwind gegeben.
Ist Kunst im öffentlichen Raum, durch die spezielle Funktion, die der Außenraum derzeit ausübt, ein Rettungsanker?
Dieser neue Fokus erzeugt hoffentlich eine verstärkte Aufmerksamkeit und Wertschätzung, sowie Förderung der bereits vorhandenen Vielfalt an Initiativen, Projekten, Interventionen aus unterschiedlichsten Richtungen, die im öffentlichen Raum stattfinden. Bei vielen Festivals, vielen Theater- und Tanzinstitutionen, aber auch vielen Off und Artist-run-Spaces oder dem universitären Bereich ist der öffentliche Raum aus dem Programm und der Auseinandersetzung gar nicht mehr wegzudenken. Mit dieser langjährigen Praxis geht eine langjährige Auseinandersetzung mit öffentlichen Räumen, Kontexten etc. einher, die, wie bereits eingangs erwähnt, zentral ist und im Gegensatz zu einer reinen Verschiebung der Präsentationsräume von innen nach außen steht.
Was ist für dich öffentlicher Raum bzw. wie definierst du öffentliche Räume?
Öffentliche Räume sind für mich Spiegel der Gesellschaften, innerhalb derer sie sich formieren: Welche Machtverhältnisse gibt das gebaute Umfeld wider, an wen richtet sich die zur Verfügung gestellte Infrastruktur, wem stehen die öffentlichen Räume zur Verfügung, worauf werden Schwerpunkte gelegt – Verkehr, Konsum, Freizeit … Wie offen oder vordefiniert sind sie? Von all diesen Faktoren hängt in Folge ab, welche Öffentlichkeiten sich innerhalb dieser Räume bilden können. Öffentliche Räume sind also nie etwas Gegebenes und Fixiertes, sondern veränderbar bzw. sind ihnen diese vielen Faktoren inhärent.
Welches Profil hat Kunst im öffentlichen Raum im ländlichen Bereich durch die Aufbauarbeit von KOERNOE gewonnen und welche Entwicklungen fanden statt?
Zwei Kernelemente, die die Kunst im öffentlichen Raum in Niederösterreich kennzeichnen und die von Katharina Blaas-Pratscher [Anm.: langjährige Leiterin von KOERNOE] verankert wurden, sind zum einen die Erweiterung der ›Kunst vom Bau‹ in den öffentlichen Raum, wobei von Anfang an unterschiedlichste Zugänge parallel verfolgt wurden: von Platzgestaltungen über temporäre, kuratierte Projekte, eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit Erinnerungskultur, aber auch Landschaftsplanung, skulpturale Setzungen und nach wie vor ›Kunst am Bau‹. Zum anderen verfolgte sie von Anfang an eine klar zeitgenössische und interdisziplinäre Ausrichtung, immer auch mit einem Auge auf internationale Entwicklungen und wie diese im ländlichen Raum verankert werden können.
Wie zeigen sich diese verschiedenen Formate in der Umsetzung?
Der Kunst im öffentlichen Raum kann in Niederösterreich auf sehr unterschiedliche Weise begegnet werden, von aufsehenerregenden skulpturalen Setzungen wie der Nase von Gelatin in der Wachau über raumgreifende Wandgestaltungen wie das Sgrafitto von Plank/Poschauko im Pflegezentrum in Wolkersdorf bis zu zahlreichen Arbeiten und Projekten, die unterschiedliche Zugänge zu Erinnerungskultur eröffnen wie zum Beispiel in Erlauf. Sie kann aber auch auf Plakatwänden auftauchen, mitten im Wald zum Verweilen einladen oder wie im Kunstraum Weikendorf in Form eines als erweiterte Skulptur angelegten Ausstellungsraums, der zweimal im Jahr mit ortsspezifischen Installationen bespielt wird.
Dennoch ist es KOERNOE gelungen, sich ein spezielles Profil zu erarbeiten. Wie wird dieses vermittelt und wie sieht es mit konkreten partizipatorischen Projekten aus?
Die Stärke der Kunst im öffentlichen Raum in Niederösterreich liegt für mich in ihrer kontinuierlichen Offenheit in Bezug auf diese vielen verschiedenen Ansätze und natürlich die zahlreichen unterschiedlichen Kontexte, in denen sie agiert. In Zukunft möchten wir verstärkt an der Verankerung der Projekte in den Gemeinschaften arbeiten, verstärkt Allianzen schmieden sowie Anknüpfungspunkte für unsere Tätigkeit in den Regionen und für die Regionen und deren Bevölkerung zur Kunst schaffen. Vor zwei Jahren wurde dafür das Konzept der INVENTOUR entwickelt. Mit einem ausgebauten Kleinbus kann das Vermittlungsteam unkompliziert in die unterschiedlichsten Orte fahren und hat Workshops, Erzählcafés, Filmabende und vieles mehr ›an Board‹ und besucht gleichzeitig Personen, Initiativen und Einrichtungen vor Ort, die in das Programm eingebunden werden.
Welchen Vorteil hat Kunst gegenüber anderen Disziplinen?
Im Fall von Projekten im öffentlichen Raum sehe ich den Vorteil der Kunst, dass sie nicht einer Disziplin bzw. politischen oder ökonomischen Interessen verpflichtet ist; man kann zwar zum Beispiel touristische Konzepte oder Marketingstrategien an sie herantragen, aber sie muss sich diesen nicht unterordnen. Im Gegenteil, das Potenzial der Kunst bzw. die Stärke der Künstler*innen ist, als Alternative zu den bestehenden Denkmustern und tradierten Vorstellungen und Konventionen andere Zugänge aufzuzeigen und zu eröffnen, verdrängte Themen sichtbar zu machen und Ähnliches. In diesem Zusammenhang steht für mich ein beeindruckendes Projekt von Folke Köbberling, die für zwei Wochen eine Schafherde auf dem Hansaplatz in Berlin weiden ließ, als ein Impuls, wie man urbane Grünflächen klimafreundlich nutzen oder gestalten könnte.
Mit welchen Hürden ist die Kunst im öffentlichen Raum konfrontiert?
Es ist kaum noch so, dass Kunst frei von Auflagen wäre, was früher immer wieder ins Treffen geführt wurde. Auch hier sind, je nach Projekt und Ausführung, Bau- und andere Genehmigungen einzuholen, Gutachten zu erstellen etc. Dennoch kann Kunst andere Ansätze und Schwerpunktsetzungen einbringen oder auch außerhalb von tradierten Normen agieren. So stehen beim Bau von Gesundheitsbauten natürlich Themen wie Hygiene, technische Ausstattung und Effizienz im Vordergrund. Über die Kunst können in diesen Kontexten aber andere wichtige Aspekte in den Fokus genommen werden, zum Beispiel Patient*innen ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln, Besucher*innen Ablenkung und Beruhigung anzubieten oder für das Personal Rückzugs- und Erholungsräume zu schaffen.
Welche Vermittlungsarbeit bzw. Argumentation braucht es gegenüber Gemeinde- und Stadtpolitiker*innen, die oft Standortfaktoren wie Marketing und Tourismus im Auge haben und Kunst funktionalisieren wollen?
Ohne Frage ist von Gemeinden, Institutionen oder anderen Auftraggeber*innen nicht immer ein anderer Zugang gewünscht bzw. stehen klassische Formate im Vordergrund. Indem auf bestehende Projekte und deren gelungene Verankerung in unterschiedlichen Kontexten verwiesen wird bzw. indem sich auch zum Beispiel Bürgermeister*innen über gelungene Projekte austauschen, kann Vertrauen und Zuversicht in unkonventionelle Zugänge geschaffen werden. Oder die Künstler*innen überzeugen ganz einfach durch die Konzepte, die sie präsentieren, ihre gewissenhafte Auseinandersetzung mit Themenstellungen, ihr Engagement in der Kommunikation und Umsetzung. Aber auch das Angebot von begleitenden Vermittlungsformationen, wie die erwähnte INVENTOUR, können unterstützen.
Welche Rolle spielen bei KOERNOE Kontrapositionen zum Monument oder ein Neudenken von ›Kunst am Bau‹?
In Niederösterreich gibt es zum Beispiel eine lange Tradition in der Auseinandersetzung mit Aufgaben, Möglichkeiten und Formen von Erinnerungskultur, die sich unter anderem in Erlauf festmachen lässt. In den 1990er Jahren wurden dort zwei Friedensdenkmäler errichtet, aber in den darauf folgenden Jahrzehnten zahlreiche unterschiedlichste temporäre Projekte umgesetzt, die formal und inhaltlich das Denkmal neu gedacht haben. Vor fünf Jahren wurde dann das Museum Erlauf Erinnert eröffnet, in dem die lokale Geschichte in Zusammenhang mit übergeordneten Ereignissen gestellt wird und auch die Geschichte der Erinnerungskultur mit den Mitteln der Kunst nachgezeichnet wird.

Wie kann man sich weitere alternative Schwerpunktsetzungen mit dem Thema Erinnerung durch Kunst vorstellen?
Ein Beispiel, das verdeutlicht, wie durch Kunst unkonventionelle formale Ansätze und inhaltliche Schwerpunktsetzungen vorgenommen werden können, ist das Denkmal Treppe – Bühne – Tribüne von Maruša Sagadin in Göpfritz an der Wild, das gleichzeitig eine Platzgestaltung ist. Auf die Initiative einer Privatperson aus dem Umfeld der Freiwilligen Feuerwehr zusammen mit der Marktgemeinde bestand der Wunsch, ein Denkmal für die 16 vergessenen Feuerwehren zu errichten, die im Zuge der zwischen 1938 und 1941 vollzogenen Gemeindeabsiedelung im Bereich des heutigen Truppenübungsplatzes Allentsteig aufgelöst wurden. Im geladenen Wettbewerb wurde die Thematik bereits auf die Bedeutung der freiwilligen Arbeit innerhalb einer Gemeinschaft hin erweitert. Maruša Sagadin, die den Wettbewerb gewonnen hat, hat das Denkmal nicht vertikal, sondern horizontal entwickelt und so ein Angebot für die Gemeinde sowie die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr geschaffen, den Platz vor dem Feuerwehrhaus, der bis dato von Parkplätzen bestimmt war, zu einem möglichen Treffpunkt und Veranstaltungsort zu erweitern.
Treffpunkte, Orte der Zusammenkunft zu schaffen sowie das Aufgreifen marginalisierter Themen sind wichtige Kriterien.
Ein Projekt, das ich in diesem Kontext auch gerne anführen möchte, ist die Arbeit Für die Vögel von Claudia Märzendorfer für das Landesklinikum in Hollabrunn. Der Ausgangspunkt war der Wunsch der Sozialpsychiatrischen Abteilung, auf das 20-jährige erfolgreiche Bestehen hinzuweisen und auch die Bedeutung sozialpsychiatrischer Themen in unserer Gesellschaft zu thematisieren bzw. sichtbar zu machen. Den Aspekt der Kommunikation und gemeinsamen Auseinandersetzung hat Claudia Märzendorfer aufgegriffen und rund 40 Künstler*innen, Architekt*innen, aber auch Musiker*innen und andere eingeladen, Vogelhäuschen zu konzipieren und zu bauen, die als Nisthäuschen oder Futterplätze von Vögeln genutzt werden können. Die entstandenen Häuschen können im Spaziergang rund um das Klinikum entdeckt werden und verdeutlichen, wie unterschiedlich wir als Menschen und die Vögel sind; dass jede*r andere Bedürfnisse und Vorstellungen hat und doch Platz und Raum dafür geboten werden soll. Die Häuschen regen zum Austausch an, ziehen nicht nur Patient*innen und Personal, sondern zum Beispiel auch die Kindergruppen des benachbarten Kindergartens an.
Verschiedene Formen der Beteiligung können so aktiviert werden.
Ein weiterer interessanter Aspekt des Projekts ist für mich, dass die großteils filigranen Häuschen Pflege und Wartung brauchen; dass Futter bereitgestellt werden muss; dass aber auch damit gerechnet werden muss, dass einzelne Häuschen den nächsten Sturm nicht überstehen und neue entstehen können; dass also von allen Beteiligten die Bereitschaft vorhanden ist, das Projekt aktiv zu begleiten.
Zeigt sich durch Projekte im öffentlichen Raum, wie wichtig Künstler*innen für die Gesellschaft sind?
Sowohl der Imperativ der Autonomie als auch die Erwartung der Wertschöpfung treiben die Kunst und die Künstler*innen in eine Position der ständigen Verteidigung. Kunst und Künstler*innen sind Teil unserer Gesellschaft und übernehmen darin eine Rolle, die immer wieder mit Veränderungen, Neupositionierungen und Erweiterungen einhergeht. Diese Rolle sollte generell anerkannt und offen gedacht und ausgelegt werden können, ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Im Herbst erscheint Band 13 der Publikationsreihe von KOERNOE. Darin werden die Projekte, die zwischen 2017 bis 2019 entstanden sind, präsentiert. Weitere Informationen zu Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich: www.publicart.at.
Ursula Maria Probst ist Kulturarbeiterin, Kritikerin und Kuratorin in Wien.
Katrina Petter