Angelika Krinzinger

Angelika Krinzinger ist Künstlerin und lebt in Wien.

Barbara Holub

Barbara Holub ist Künstlerin und Mitglied von transparadiso, einer Platform für Architektur, Urbanismus und Kunst.

Paul Rajakovics


Die Geste ist eine Bewegung des Körpers oder eines mit ihm verbundenen Werkzeuges, für die es keine zufriedenstellende kausale Erklärung gibt.
Vilém Flusser

Angelika Krinzinger beschäftigt sich seit vielen Jahren mit oft (makro-)fotografischen Zugängen zu Objekten und Körperausschnitten. Vielfach entstehen dabei Fotoarbeiten und Serien von groß dargestellten Teilbereichen des Körpers, die unprätentiös den sinnlichen Charakter fokussieren und über das Detail die Frage nach dem Ganzen stellen.
Vor etwa zwei Jahren begann Angelika Krinzinger intensiv für ihre Ausstellung An Hand im Schloss Ambras (2014) in Innsbruck Hände zu fotografieren. Dabei handelte es sich jedoch nicht – wie sonst in ihren Fotoarbeiten – um jene von lebenden Menschen, sondern sie destillierte Details aus der historischen Porträtgalerie des Schlosses Ambras aus dem 16. Jahrhundert. In der Zusammenstellung der Fotoarbeiten fällt auf, dass kaum eine dieser historischen Hände den natürlichen Charakter einer Hand vermittelt. Vielmehr wirken diese durch ihre Vergrößerung eher wie autonome Studien in einem Skizzenblock: künstlich aber symptomatisch für das Korsett dieser Zeit.
Im April 2015 fotografierte Angelika Krinzinger im Schulheim Mäder, welches zu der Landessonderschule für körper- und mehrfachbehinderte Kinder in Vorarlberg gehört, über zwei Tage nicht nur die Hände der Kinder, sondern auch jene der LehrerInnen, BetreuerInnen und TherapeutInnen. Auf diese Weise entstand ein kollektives Manogramm, welches die Wichtigkeit der Hände, ihren Tastsinn und Bewegungsmöglichkeiten in neuen Relationen erscheinen lässt. Die 156 Schwarzweiß-Fotos sind zu einer Werkserie, deren Erlös dem Schulheim Mäder zugutekommt, zusammengefasst, die bei jeder Aufnahme die Frage nach dem Menschen hinter der Hand stellt.
Die Haltungen der Hände verfolgen offensichtlich keine üblichen Codes, wie etwa die bekannten Gestikulationen süditalienischer Kommunikationspraktiken. Es ist die Spontaneität und Offenheit der TeilnehmerInnen, die dieses Projekt so selbstverständlich und vielschichtig zugleich macht.

Von 16. Juni bis 6. August 2016 gibt es Arbeiten von Angelika Krinzinger in der Ausstellung Filter im Kunstforum Montafon in Schruns zu sehen.


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