Margot Fürtsch


Mit dem Einzug von Armani ins Guggenheim und dem von Guggenheim und Hermitage in Las Vegas ist es legitim der oft gestellten Frage nach dem Sinn und Zweck der Institution Kunstmuseum erneut Aufmerksamkeit zu schenken. Eine Buchempfehlung.
„Museum 2000 – Erlebnispark oder Bildungsstätte ?” nennt sich ein kleines feines Buch, das Uwe M. Schneede anläßlich der aktuellen Museumsdebatte herausgegeben hat. Zu Wort kommen in erster Linie Museumsleute, die ausgehend von den aktuellen Problemen ihrer Häuser, zur gegenwärtigen gesellschaftlichen Position des Kunstmuseums Stellung nehmen. So gewinnt man einen atmosphärisch sehr persönlich geprägten, wenn auch manchmal fast zu detaillierten Einblick in die Museumspraxis des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt, des Museums Boijmans van Beuningen in Rotterdam, der Hamburger Kunsthalle, der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, dem Haus der Kunst in München, des Van Gogh Museums in Amsterdam, sowie der Tate Gallery in London.
Die prekäre finanzielle Situation der deutschen Museen in den neunziger Jahren, war Auslöserin einer Museumsdebatte, in einer Größe und Tragweite, wie sie zuletzt in Deutschland 1968 statt gefunden hat. Im Windschatten der Jahrtausendwende dehnte sich die Diskussion bald über den ökonomischen Aspekt hinaus, auf Grundsätzliches aus. Doch an diesem wird nicht gerüttelt: Das Sammeln, Bewahren, Forschen und Vermitteln sind und bleiben die neuen-alten Aufgaben des Museums. Die neuen-neuen Aufgaben sind anderswo angesiedelt: Verselbständigung, Privatisierung und Gewinnstreben sind angesagt. In der Verselbständigung staatlicher Museen erweisen sich die NiederländerInnen modellgebend. Im Zuge dieser startete das Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam einen „aggressiven, kommerziellen Kurs, indem es die Bedeutung von Museumsrestaurant und Museumsshop betonte.”
Die nunmehrige Konkurrenz der einzelnen Institutionen und darüber hinaus mit anderen Freizeitangeboten ist für jedermann/ frau spürbar. Museen werben um Sympathie, AnhängerInnen, SponsorInnen, BesucherInnen und TouristInnen. „Stimmung machen ist die Losung.”, und „– fast – alle Verführungsstrategien sind erlaubt.” Doch gilt es, nicht auf der Oberfläche des Events zu schwimmen. So wird die Sammlung zum Beispiel, die Sammlungspolitik, das Spezifische einer Sammlung, als Kern einer innovativen Ausstellungskonzeption gesehen, als Publikumsmagnet werden an sie neue Anforderungen gestellt. Ebenfalls als Werbeträgerin wird die Architektur der Kunsthäuser betrachtet, und von Bregenz bis Bilbao kommentiert. Die sich überall durchziehende Frage ist die nach dem richtigen Verhältnis von Kunst und Event.
Konzentriert sich zwar dieses Buch auf deutsche Kunstmuseen und deren Probleme, so lassen sich die darin angesprochenen Symptome der Ökonomie in der Welt der Kunstmuseen allerorts beobachten.


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