Norbert Mayr


Salzburg ist anders. Was für Wien die Shopping-City-Süd in Vösendorf ist, wird in Salzburg auf mehrere Umlandgemeinden aufgeteilt. Die Minimundus-“Blaue Lagune“ für Westösterreich und mehrere Möbelhäuser befinden sich in Eugendorf, weitere Einkaufszentren säumen den Speckgürtel an der Autobahn, besonders im Westen der Stadt. Zwischen 1995 und 2000 stagnierte „im Wesentlichen“ die Entwicklung der Flächenkapazität bei den Einzelhandelszentren in der Stadt Salzburg bei rund 200 000 Quadratmetern. Die Flächenkapazität der Einzelhandelszentren in den Randgemeinden von Salzburg - Eugendorf, Hallwang, Bergheim, Wals-Siezenheim und Anif - stieg im selben Zeitraum hingegen „um mehr als 30 %“ auf rund 160 000 Quadratmeter an, konstatierte die STANDORT + MARKT Beratungsgesellschaft m.b.H. (Baden) im September 2000. Die Entwicklung geht weiter. Salzburg 1960: Architekt Viktor Gruen, der nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland Wien verlassen musste, besuchte Salzburg und machte sich - 10 Jahre vor seinem „Konzept für eine autofreie Innenstadt“ von Wien (1969-71) - Gedanken über die Zukunft der Salzburger Altstadt. Gruen gilt als der Erfinder suburbaner Einkaufszentren im Amerika der 50er-Jahre, deren Erfolg auf der leichten Erreichbarkeit mit dem Auto beruht. 1954 wurde das Northland Regional Shopping Center in Detroit fertig gestellt. Besonders das Konzept der Mall als überdachter Einkaufsstraße fußte auf der Übernahme von Elementen historischer Städte mit Straßen und Plätzen und führte gleichzeitig dazu, deren Existenz zu bedrohen. Mancher Stadtkern verkam in der Folge nicht nur, sondern wurde regelrecht zur „ghost town“. Gruen wandte die Erfahrungen mit seinen Einkaufzentren auf den zum Teil selbstgezüchteten Sanierungsfall Stadtkern an.

Die Altstadt als Shopping-Center

Zentrale Forderungen Gruens für das noch lange nicht vom Einkaufszentren-Boom erfasste Salzburg war die Befreiung der Plätze, Straßen und Gassen der Altstadt „von der schrankenlosen Automobilflut“, „Untergrundgaragen an der Peripherie“, den alleinigen Einsatz öffentlicher Verkehrsmittel im Stadtinneren und - auch zum Nutzen der Geschäftsleute - die Einführung der erst Jahre später realisierten Fußgängerzone. „Unter diesen Bedingungen würde Salzburg erst vollends zu einer Pilgerstadt seiner unzähligen, immer neu gewonnenen Freunde werden, die hier das Außergewöhnliche - ein Bild der unzerstörten Schönheit und Ruhe - suchen.“ In der für den Fußgänger zum Ideal gewordenen Innenstadt würde auch die Geschäftswelt ohne Zweifel Erfahrungen sammeln, welche sie bald mit keiner Lösung von gestern mehr vertauschen möge. „In diesem Punkte hätte das europäische von dem älteren amerikanischen Beispiel zu seinem Vorteil gelernt“, erklärte Gruen 1961 zuversichtlich. „So paradox es klingt: Die Altstadt wird moderner Zeit gerecht, indem sie den historischen Fußgängerbezirk wieder belebt!“, lautete ein Kommentar des konservativen Salzburger Stadtvereins in seiner Zeitschrift „Bastei“. Auch der Wiener Stadtplaner und Architekt Roland Rainer verglich Salzburgs Altstadt mit ihrem engmaschigen Netz geschützter Fußgängerpassagen mit den „neuesten Kaufzentren moderner Großstädte in Amerika“. Rainer sprach von einer „City-Umfahrung“ mit begleitenden Garagen, etwa einem Parkhaus anstelle des Realschulgebäudes (Heutiger AVA-Hof), also einer guten Erreichbarkeit mit dem Auto und ausreichend Parkgelegenheiten, wie von den Shopping-Centers an den Autobahnen bekannt.

Wird die Altstadt heute dem durch die Innenstadtgenossenschaft „verkauften“ Image als „Österreichs schönstem Einkaufszentrum“ gerecht? Natürlich hinkt der Vergleich, wie einige Aspekte ohne Anspruch auf Vollständigkeit zeigen. Zwar ist sie gering, aber es gibt sie noch, die Wohnbevölkerung im Stadtkern. Weniger als 1000 Menschen leben in knapp 500 Häusern. Sie, die anderen BewohnerInnen der Stadtregion und die BesucherInnen schätzen einen Stadtkern, der von einzigartiger städtebaulicher Qualität ist. Diese kann von keiner innenräumlichen Inszenierung einer Shopping-Mall erreicht werden. Die (kultur-)touristische Nutzung der Plätze ist allerdings kein Ersatz für das Fehlen öffentlichen Lebens. Auch die Jugend findet hier keine adäquaten Räume, wie der Projektbericht „Frauen in der Salzburger Altstadt“ festhält. Während ein Center-Management den Branchenmix optimiert und straff kontrolliert, kann das koordinierend wirkende Altstadtmarketing die Auswahl nicht bestimmen. So geht das Warenangebot in und um die Getreidegasse immer eindimensionaler in Richtung Tourismusartikel und Repräsentanz von Marken. Als 1965 der damalige SPÖ-Bürgermeister ein Kaufhaus anstelle des Realschulgebäudes vorschlug, stellten sich Kaufleute und Handelskammer dagegen. Der AVA-Hof wurde als Geschäfts- und Bürohaus errichtet. In den letzten Jahren legte hingegen die gesamte Stadtpolitik und die Kammer ihre Hoffnung auf einen neuen AVA-Hof als großes Kaufhaus mit Zugpferd-Funktion für die Attraktivierung des Stadtkerns.

Einkaufszentren-Boom im Speckgürtel

Wie kam es zum Sinneswandel der Handelskammer? Einkaufszentren und Fachmärkte entstanden - nicht überraschenderweise und besonders intensiv im letzten Jahrzehnt - an der Salzburger Peripherie entlang der Autobahn im rasch wachsenden randstädtischen „Speckgürtel“. Dem auch für Salzburg absehbaren Trend wurden keine ausreichenden raumordnungspolitischen Lenkungsmaßnahmen entgegengesetzt. Der Entwurf für ein Sachprogramm für Handelsgroßbetriebe wurde schubladisiert, die Versuche, sinnvolle Standorte im Regionalprogramm „Salzburg Stadt und Umgebungsgemeinden“ festzulegen, scheiterten. Die Reaktion der letzten Jahre konzentriert sich - ähnlich wie vor vierzig Jahren - auf die Sorge um das historische Stadtzentrum. Dort gibt es fragwürdige Annäherungstendenzen an die Shopping-Mall: Ein kleinteiliger „cleaner“ Bodenbelag in den Gassen, der an Innenbeläge erinnert, die in zyklischen Intervallen auftauchenden Überdachungsvorschläge für Gassen, der wiederholte Ruf nach einem Alkoholverbot und nach Überwachungskameras mancherorts sowie die Überlegung, Eintritt für die Altstadt zu verlangen, verdrängen Teile der Öffentlichkeit von den außergewöhnlichen Außenräumen, Gassen und Plätzen. Wichtig wären strukturelle Maßnahmen wie der Ausbau der Förderung von Wohnraumsanierung und -schaffung. Konsumfreie, attraktive Räume sowie Aufenthalts- und Bewegungsmöglichkeiten für die Jugend fehlen. Mit dem Bau des 2001 fertig gestellten Makartstegs als zeitgemäßem Brückenschlag wurde ein wichtiges Zeichen inmitten des Altstadtbildes gesetzt. Er ist augenfälliges Beispiel einer seit gut einem Jahrzehnt wachsenden Tendenz, zeitgemäßem Bauen im Dialog mit den Baudenkmalen mehr Spielraum zu geben. Es entstanden gestalterische Erfrischungen in einer Altstadt, deren harmonisiert-angepasste Fassadengestaltungen geschichtliche Brüche und Entwicklungen oft völlig übertünchten. Diese Scheinwelt wird - so ist zu befürchten - aber touristisches Kapital für die Zukunft bleiben, bietet sie doch im Zeitalter der Themenparks optimale Anknüpfungspunkte für den neuen Typ der „ErlebniskonsumentIn“, die gar nicht mehr das Authentische sucht, sondern die perfekt in Szene gesetzte Illusion. Wird der Mensch in Zukunft Kultur oder Kulisse, Wirklichkeit oder Illusion wünschen? Horst Opaschowski, einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Freizeit und des Tourismus, berechtigt mit seiner Antwort zu einer gewissen Zuversicht: „Der Mensch will verwirklichte Visionen und nicht Illusionen, denn Illusionen kann man zerstören, Visionen nie.“ Andere Stadtteile als die Altstadt sowie Landgemeinden im Einzugsgebiet der Einkaufs- und Fachmarktzentren sind nicht weniger betroffen, haben aber ungleich weniger Potenziale als die Altstadt. So wird es ganz anderer Anstrengungen bedürfen, um dem Verfall an der Ignaz-Harrer-Straße, Ausfalls- wie boomende Einkaufsstraße der Siebzigerjahre, zu begegnen. Entlang der Autobahn formieren sich also - im wörtlichen Sinn - neue Zentren und stellen den Peripheriebegriff einer Stadt mit Kern und Rand völlig in Frage. Der Speckgürtel entlang der Autobahn befindet sich meist in den Umlandgemeinden, die Kaufkraft und Steuereinnahmen von der Stadt abziehen. Knapp innerhalb der Stadtgrenze liegt der Europark. Der Römische Stararchitekt Massimiliano Fuksas plante nicht nur das „schönste Einkaufszentrum Europas“ („Architektur Aktuell“). Neben seiner Orientierung an der Autobahn übernimmt die künstliche „Wochentagsstadt“ zum Teil die Funktion eines Stadtteilzentrums für Taxham. Mit der nach langem Tauziehen genehmigten Erweiterung um 12 250 m2 und dem IKEA-Möbelmarkt mit 15 000 m2 ist sicherlich das Limit erreicht. Der Gestaltungsbeirat und die Stadtplanung bemühen sich nun um architektonische und freiräumlich-städtebauliche Qualitäten. Dieser Anspruch war beim Airportcenter in Wals-Siezenheim nie vorhanden. Es wuchs auf der grünen Wiese an einer Autobahnabfahrt im letzten Jahrzehnt stetig. Hotel, Shopping-Mall, Möbelmarkt und Baumarkt - ergänzt um Großkino und Disco als „Urban Entertainment Center“ - wurden als isolierte Solitärbauten aufgefädelt. Die Abstandsflächen füllt ein Labyrinth von Parkplätzen auf. Das Chaos wird sich noch verschärfen. Um eine Änderung des Flächenwidmungsplans und eine Standortverordnung für Großhandelsbetriebe zu umgehen, werden rund 5000 weitere Quadratmeter auf sieben bis zu 800 m2 große Geschäfte mit jeweils eigenem Eingang, Anlieferung und Parkplatz aufgeteilt.

Stadtteile und Region auf Verliererstraße

Ob nun architektonisch anspruchsvoll oder banal, die in Summe im Speckgürtel errichteten Verkaufsflächen für Einzelhandelsgroßbetriebe zwischen Anif und Eugendorf haben den Plafond erreicht. Es ist nur mehr die Frage, wer nach der „Wettbewerbsbereinigung“ auf der Strecke bleibt. Neben Kirchturmdenken und dem schwelenden Stadt-Land-Konflikt, die bei den (Fehl-)Entscheidungen massiv mitschwingen, ist die praktizierte Anlassplanung der Salzburger Raumordnungspolitik unzureichend. Sie kann mit der Standortverordnung nur auf die von InvestorInnen gewünschten Standorte für Einkaufszentren reagieren. Angesichts einer heute unrealistischen Reform der Gemeindegrenzen müsste das längst fällige Sachprogramm für den gesamten Zentralraum einschließlich Bayern - ähnlich jenem für Siedlungsentwicklung und Betriebsstandorte von 1995 (!) - mit dem sinnvollen Leitbild der so genannten „dezentralen Konzentration“ abgestimmt werden. Danach sollten Stadtteilzentren die Salzburger Innenstadt ergänzen, im Zentralraum aufgewertete Regionalzentren wie Oberndorf, Straßwalchen/ Neumarkt oder Hallein und weitere Orte niedrigerer Ordnung die Verkehrsströme in die Stadt Salzburg eindämmen. Abhängig vom Grad der Zentralität gehören Handelsbetriebe gestärkt, wobei es den jeweils richtigen Maßstab zu finden gilt. Die Vorarlberger Standortverordnung bevorzugt Ortskerne und weist damit in die richtige Richtung. Ein überproportional wachsendes „Zentrum“ Speckgürtel ist hingegen für Stadtteil- wie Regionalzentren gleichermaßen kontraproduktiv. So hat Wals-Siezenheim als so genannte „Ballungsrandgemeinde“ (Landesentwicklungsprogramm 1994) mittlerweile rund drei mal so viel Verkaufsfläche pro EinwohnerIn als die Kernstadt Salzburg. Umgekehrt verdanken die Umlandgemeinden ihre Standortgunst dem Motor Kernstadt, von deren Infrastruktur und Image sie profitieren.

Die von Peter Weichhart für die Stadt erstellte, im Juli 2001 präsentierte Studie mit der Fragestellung „Wie attraktiv ist die Stadt für ihr Umland und ihre Region?“ hält fest, dass das Ziel der Stadtentwicklungsplanung, Salzburg als Einkaufsstadt zu etablieren und zu stärken, in beachtlich kurzer Zeit erreicht werden konnte. Auf der einen Seite ist von ungebrochen großen Attraktoren in der Innenstadt wie dem Christkindlmarkt die Rede, auf der anderen Seite werden die Einkaufsagglomerationen in den Umlandgemeinden wie die Möbelhäuser in Eugendorf oder das Airportcenter Wals, die der Besucher verständlicherweise der Stadt Salzburg zurechnet, als „Leitbetriebe der funktionalen Kernstadt“ angesehen. Die bestehenden und überregional attraktiven Einkaufszentren sollen als Anziehungspunkte und so genannte „Multiplikatoren“ für die Region betracht werden, nach dem Motto „Besuche ich den Europark, besuche ich auch mal die Innenstadt oder den Tiergarten“ oder „Besuche ich das Airportcenter, besuche ich auch mal die Watzmanntherme“. Eine einseitige Euphorie für Speckgürtel-Einkaufzentren in Verbindung mit einem attraktiven Stadtkern als Multiplikatoren negiert die in Zukunft wachsende Problematik, dass die Stadtteile dazwischen im Allgemeinen vom überregionalen Einzugsgebiet schwer profitieren können und sich im regionalen Wettbewerb in derselben Schere befinden.

Zusammenarbeit als Chance

Der Verflechtungsraum um die Stadt beinhaltet Teile des Landes Salzburg, des angrenzenden Oberösterreich und Bayerns mit insgesamt rund 600 000 Menschen. Anfang 2001 wurde für dieses Gebiet das EuRegio-Entwicklungskonzept präsentiert. Die EuRegio-PlanerInnen haben berechtigten Anlass zur Sorge, dass der Konkurrenzkampf um die KundInnen und eine weiterschreitende Konzentration im Einzelhandel mit dem Trend zu immer größeren Verkaufsflächen „die Existenz und Struktur des innerstädtischen Einzelhandels und der wohnortnahen Grundversorgung“ gefährdet und verändert. Der Vertreter Bayerns forderte zu Recht ein koordiniertes Vorgehen. Dieser Druck ist fruchtbar, wenn er Impuls zur dringend notwendigen Schaffung einer gemeinsamen, auch mit Entscheidungskompetenz ausgestatteten Regionalplanung ist. Mit den zwischen den Gemeinden abgestimmten, raumordnerisch sinnvollen Maßnahmen - z.B. bei der Festlegung von Standorten für Einkaufszentren, Gewerbegebieten u.a.m. - könnten zudem unsinnige Infrastrukturkosten vermieden werden. Das EuRegio-Entwicklungskonzept formulierte gemeinsame Ziele beim Ausbau des öffentlichen Verkehrs, des Schutzes des für die Lebensqualität wichtigen Grüngürtels oder der gemeinsamen Außenwerbung. Prof. Peter Weichhart, der 2000 den Endbericht „Regionalentwicklung im Salzburger Zentralraum“ erstellt hat, sieht darin „den ersten Schritt zu einer richtigen Region“: „Eine solche Region könnte den kommunalen Egoismus einbremsen, die Kooperation belohnen, die jeweils besten Standorte finden und von den wirtschaftlichen Erträgen gemeinsam profitieren.“ Weichhart sieht das Potenzial für wirtschaftlichen Erfolg und Lebensqualität als enorm: „Es liegt an den Gesetzgebern, den Bürgern und Kommunen beiderseits der Grenze, die rechtlich noch unverbindlichen Absichten in das wirkliche Leben herüberzuholen.“ Im harten Wettbewerb der Regionen im Zeitalter der Globalisierung wird Kirchturmdenken immer unverantwortlicher. Neben dem Wettlauf von Einkaufszentren hat sich die Salzburger Stadtregion auch dem Boom von Freizeit-, Entertainment-, Themen- und Infotainmentwelten zu stellen. Es war einmal 1999 ein Märchenwelt-Projekt Frank Stronachs unter dem Kleßheimer Stadion. 2001 ist „Soundtopia“ angesagt. Die Betreiber benötigen für ihren Themenpark über die Welt der Musik und der Geräusche ca. 10 ha Grund, sprechen von 1 Million BesucherInnen im Jahr, von einem Investitionsvolumen von 1,6 Mrd. ATS und erwarten sich 20% davon als Förderung. Die Anstrengungen bei den Erlebniswelten haben meist das selbe Muster. Bild-IngenieurInnen zielen auf die Konstruktion von Realitäten ab, wobei für die Glaubwürdigkeit intersubjektiv verständliche Codes, ob nun sprachlich oder als Formen, eine entscheidende Rolle spielen werden, wie Michael Shamiyeh analysiert. Mozart und „Sound of Music“ können in Salzburg somit eine weitere Dimension ihrer kommerziellen Ausreizung erfahren, berühmte Postkarten-Bilder der Salzburger Altstadt in Themenparks als leicht decodierbare Versatzstücke eine neue Heimat bekommen.

Themenparks sind nicht alle von gleicher gestalterischer und inhaltlicher Stimmigkeit. Gemeinsam ist ihnen, dass sie fast ausschließlich als isolierte, möglichst von ihrer Um- und Außenwelt abgeschottete Einheiten errichtet werden. In den künstlichen Welten kann man durch kontrollierte Wegeführung ablenkungslos die jeweiligen Inszenierungen und bestenfalls den Himmel darüber wahrnehmen. Die Welten stehen damit im Gegensatz einer zu beobachtenden Tendenz in der Architektur zur Integration der Umwelt. Als kontinuierliche Topografie verstanden, will sie statt Begrenzungen und Limitierungen Räume für die Entfaltung verschiedenster Ereignisse bieten. InvestorInnen wird der gut erreichbare Speckgürtel entlang der Nord-Südroute interessieren. Mit seiner starken gestalterischen Homogenisierung und seinen Ausgrenzungsszenarien - Alkoholverbot, Eintrittsgebühr - wird die Altstadt allerdings immer mehr zum Konkurrent für die Neubau- Themenparks. Welche Märchen werden in Salzburg Wirklichkeit? Wird es für die gesamte Salzburger Stadtregion rechtzeitig Vorbereitungen für ihre kulturelle Positionierung ebenso wie für verbindliche raumordnerische Lenkungsmaßnahmen geben, damit es zu keinem Wettrüsten der Gemeinden um die Gunst der Micki-Mäuse kommt?

Es rumort im Speck

Einkaufs- und Fachmarktzentren sind neben dem massiven Ausbau von Gewerbegebieten und dem Wohnbau nur ein „Wachstumsfaktor“ im boomenden „Speckgürtel“. Mehrere aktuelle, im Wesentlichen genehmigte Projekte - Fachhochschule und Gewerbepark in Urstein (Puch), Stadion vor dem Barockschloss Kleßheim (Wals-Siezenheim) oder der Hotel- und Wohnkomplex in Guggental (Koppl) - sind Beispiele, dass der Grüngürtel rund um die Stadt immer stärker reduziert wird. Der Verlust von Landschaftsräumen und mangelhafte freiräumliche Qualitäten sind im steigenden Wettbewerb der „Europaregion Salzburg“ mit anderen Stadtregionen kontraproduktiv. Diese Beobachtungen stehen u.a. am Beginn der Architektur-Klasse der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg im August 2001. „Situation Salzburg: Strategien für den Speckgürtel“ wird als interdisziplinär agierendes Forum unter Leitung von Prof. Richard Plunz (Columbia University, New York), Assistenz Hubert Klumpner (Caracas) und Norbert Mayr (Salzburg), abgehalten.

Eine Kurzfassung dieses Artikels erschien am 28. Juli 2001 in den Salzburger Nachrichten unter dem Titel „Shopping im Speckgürtel.“


Heft kaufen