A place to B(z), Citizen Initiative to Placemaking Bolzano, ein Projekt von Eco-Social Design Bozen. Marielle Scharfenberg zusammen mit vielen Beteiligten; Foto — aplacetobz.com
Staying with the Trouble
Ein Gespräch über Design als gesellschaftliche Praxis zwischen Krise, Verantwortung und TransformationDesign war lange die Gestaltung von Dingen: von Stühlen, Häusern, von Geräten und ganzen Städten. Heute wird Design nicht mehr nur als Frage der Form verstanden, sondern als gesellschaftliche Praxis, die in soziale, räumliche und ökologische Prozesse eingreift. Design verschiebt sich von der Formgebung zur Verantwortung – für Ressourcen, für Zusammenleben und für die Bedingungen einer lebenswerten Zukunft. Diese Erweiterung des Designbegriffs zeigt sich in neuen Studiengängen. Sie heißen: Transformationsdesign, Social Design, Civic Design oder Eco-Social Design. Hier geht es um Teilhabe, soziale Gerechtigkeit und um die Mitgestaltung gesellschaftlicher Veränderungen. Design wird zum Werkzeug, um, im Sinne von Donna Haraways Staying with the Trouble, inmitten von Krisen handlungsfähig zu bleiben. Was das konkret bedeutet, darüber sprachen die dérive-Redakteur:innen Christina Schraml und Paul Rajakovics mit der Architektin und Stadtplanerin Nina Gribat, der Designforscherin Bianca Herlo und dem Eco-Social Designer Kris Krois.
Paul Rajakovics ist Urbanist, lebt und arbeitet in Wien. Er ist seit 2001 Redaktionsmitglied von dérive – Zeitschrift für Stadtforschung und hatte von 2023—2024 die Verwaltungsprofessur für Transformationsdesign an der HBK Braunschweig inne.
Christina Schraml lebt und arbeitet als Stadtforscherin in Wien. Sie ist Mitglied der dérive-Redaktion und forscht und lehrt seit 2012 am Social Design Studio der Universität für angewandte Kunst Wien.
Nina Gribat (PhD) ist Professorin für Stadtplanung an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Sie forscht unter anderem zu Konflikten im Kontext von Strukturwandel und Peripherisierung, hybriden Konfigurationen urbaner Infrastrukturen, den Gelingensbedingungen von Kultur in ländlichen Räumen, der Wirkungsforschung in Architektur und Städtebau sowie zu Planung im Kontext von extraktivistischen Spekulationen. Fragen von räumlicher und sozialer Gerechtigkeit treiben sie dabei ebenso um wie die Analyse von Machtverhältnissen und Handlungs- bzw. Transformationsmöglichkeiten. Sie ist Mitglied des Redaktionskollektivs von sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung www.zeitschrift-suburban.de.
Bianca Herlo ist Professorin an der Hochschule Luzern, Design Film Kunst, wo sie die Forschungsgruppe Transformation Design leitet. In Lehre und Forschung beschäftigt sie sich mit sozialer und digitaler Ungleichheit, intersektionalem Feminismus, Digital Justice und neuen Formen der Zusammenarbeit. Herlo hat an der Universität der Künste Berlin, der Hochschule der Künste Braunschweig und dem Weizenbaum-Institut geforscht und gelehrt. Sie ist Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Designtheorie und -forschung und Gründungsmitglied des internationalen Social Design Network. Seit 2022 co-hostet sie den Podcast Purple Code. Intersectional Feminist Perspectives on Digital Societies.
Kris Krois hat den transdisziplinären Masterstudiengang Eco-Social Design an der Freien Universität Bozen–Bolzano ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Studierenden, Lehrenden, Forschenden und Partner:innen aus verschiedenen Bereichen entwickelt er Designpraktiken, Werkzeuge und Strategien für emanzipatorische sozioökologische Transformationen. Seit 2013 ist er Mitorganisator der jährlichen Konferenz By Design and by Disaster.