Tendenz und Parteilichkeit im Design
Die schon lange andauernde Auseinandersetzung darüber, wie sich Gestaltung zu den vorherrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen verhalten kann, ist im Design von zwei seltsam miteinander verbundenen Traditionen geprägt: einerseits vom Anspruch auf soziale Transformation und andererseits vom Bemühen, dabei eine gewisse Neutralität aufzuweisen. Gestaltung soll, ohne das allgemeine Wohl aus dem Auge zu verlieren und sich Einseitigkeit vorwerfen lassen zu müssen, irgendwie konkrete Verbesserungen – welcher Art auch immer – anstreben. Obwohl das eigentlich ganz gut klingt, resultiert aus diesem doppelten Begehren ein ärgerlicher Widerspruch, denn soziales Engagement kann nicht politisch neutral erbracht werden. Vielmehr ist eine Parteinahme für bestimmte Anliegen und die sie vertretenden Akteur:innen eine notwendige Voraussetzung jeglicher Ambitionen, soziale Fragen im Design zu verhandeln
Jesko Fezer arbeitet als Gestalter. In unterschiedlichen Kooperationen widmet er sich der gesellschaftlichen Relevanz entwerferischer Praxis. Er macht mit ifau Architekturprojekte, ist Mitbegründer der Buchhandlung Pro qm in Berlin sowie Teil des Ausstellungsgestaltungsstudios Kooperative für Darstellungspolitik. Als Professor für Experimentelles Design an der HFBK Hamburg betreibt er mit Studierenden die Öffentliche Gestaltungsberatung St. Pauli. Zuletzt erschienen ist: Umstrittene Methoden adocs, Hamburg 2022.