Bente Knoll

Elke Szalai


Die Ausstellung zum zehnjährigen Bestehen des Frauenbüros der Stadt Wien (MA 57) wurde in österreichischen Medien mit vielversprechenden Worten angekündigt:
Profil 15. 10. 2001: „Die Ausstellung blickt nicht nur auf die Leistungen der letzten 10 Jahre zurück, sondern stellt auch künftige Aufgaben und Initiativen des Frauenbüros Wien vor. In Zeiten, in denen die österreichische Regierung die Arbeit eines Frauenministeriums als entbehrlich betrachtet, erscheint das massive Auftreten umso wichtiger. Nach Plakatserien und Bildbänden über Frauen in und aus Wien ist die Schau im öffentlichen Raum der konsequente Schritt.“
Dieser Ankündigungstext und bekannte Projekte des Frauenbüros haben uns angeregt, den am Rathausplatz errichteten Kubus zu besuchen. Dieser versprach „Frauen im öffentlichen Raum sichtbar zu machen“. Das Bauwerk mit der semitransparenten Fassade konnte dies nicht erfüllen, da keine Sichtbeziehungen zwischen außen und innen hergestellt wurden. Das Sichtbarmachen von Frauen und Männern, die sich im Ausstellungsraum bewegten, ist damit nicht gelungen – nur geschlechtslose menschliche Schatten waren zu erkennen. Durch den Kubus konnte ein Planer (sic!) ein Zeichen setzen – Planerinnen bleiben unsichtbar!
Der Ausstellungsraum war beinahe leer – bis auf vier an der Decke angebrachte Bildschirme mit Dauervideos, zwei Computer und einen Sessel. An einer Wand wurden einige Projekte des Frauenbüros der letzten zehn Jahre in viel zu kurzen Worten sichtbar gemacht. In einer Ecke bot ein Besucherbuch die Möglichkeit, Anmerkungen sofort zu Papier zu bringen. In einer Ausstellung des Frauenbüros sollte frau erwarten können, zumindest ein BesucherInnenbuch vorzufinden und so in der Sprache sichtbar zu sein. Die Leistungen des Frauenbüros werden durch solche Fehler entscheidend geschmälert, denn über Sprache wird ein großer Teil der gängigen Geschlechterverhältnisse und Strukturen manifestiert oder eben verändert. Die Ausstellung bot kaum Informationen über das Frauenbüro und dessen Projekte. Frauen wurden über die Bildschirme virtuell in den Raum geholt. Die Farbkombination zwischen schwarz-gelb auf den Monitoren und der grünlichen Farbe des Kubus hinterließ einen pseudomodernen Eindruck. Im Gegensatz zum Glaskubus von Valie Export am Uhlplatz ist hier am Rathausplatz die Verbindung zwischen außen und innen nicht hergestellt. Das Ziel, Frauen im öffentlichen Raum der Stadt Wien sichtbar zu machen, ist nicht gelungen.
Insgesamt war die Ausstellung des Frauenbüros der Stadt Wien war eine Enttäuschung und ist als ungenutzte Chance, Frauen/Mädchen und Projekte von Frauen/Mädchen im öffentlichen Raum einer größeren Zahl von Menschen näher zu bringen, zu werten – schade!

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Frauenbüro der Stadt Wien
Frauen sichtbar machen
(Broschüre zum Download unter: http://www.wien.gv.at/ma57/themen.htm)


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