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Belagerte Städte
Die Militarisierung des UrbanenMein eher allgemeines Interesse an städtischer Infrastruktur, digitalen Medien und urbanem Leben fokussierte auf die drängenden und Besorgnis erregenden Fragen nach der Verknüpfung des Städtischen mit politischer Gewalt und Terrorismus, als ich 2002 gemeinsam mit Simon Marvin, dem Co-Autor von Splintering Urbanism, zu der Veranstaltung »War in the City in the 21st Century« nach Israel eingeladen wurde. Es stellte sich heraus, dass es keine akademische Konferenz war, sondern eine militärische. Die Tagung wurde gemeinsam vom israelischen, britischen und dem US-Militär organisiert, und eine große Zahl der TeilnehmerInnen erschien in Uniform oder Tarnkleidung. Die Debatte drehte sich ausschließlich darum, welche Herausforderung sich aus der fortschreitenden Urbanisierung des Raumes und der Gesellschaft für das Militär ergebe. Was bedeutet es für eine militärische Intervention, wenn es sich bei dem feindlichen Gegenüber immer seltener um die Streitkräfte anderer Staaten handelt? Wenn die Ziele stattdessen Angehörige der Zivilbevölkerung sind oder Angehörige sozialer Bewegungen? Im Rahmen jener Konferenz stellten wir fest, dass Polizei, Sicherheitskräfte und Militär derzeit in hohem Maße Stadtforschung praktizieren, und zwar jenseits und weitgehend ohne das Wissen der ebenfalls mit Phänomenen des Städtischen befassten Sozialwissenschaften.
Diese Erkenntnis brachte mich zu einer Neuorientierung. Im Buch Cities Under Siege (2010) versuchte ich in der Folge, diese Debatten offenzulegen, in denen die Stadt als zentraler Schauplatz von politischer Gewalt thematisiert und die Strategien der Kriegsführung in Städten erörtert werden. Während die Stadt in der geographischen Debatte etwa als Ort der Vielfalt und des Kosmopolitismus gilt, begreifen Militär- und Sicherheitsdienste die Stadt vor allem als einen problematischen und schwer zu kontrollierenden Raum mit unübersehbaren Bevölkerungsmassen, mit einer Vielzahl von oppositionellen Bestrebungen und staatsfeindlichen Aktivitäten.
Bestrebungen, Städte zu kontrollieren, sind ebenso alt wie Städte selbst. Womit wir es aktuell zu tun haben, ist eine Rückkehr der alten Furcht vor dem urbanen Leben. Vor urbanen Räumen in einer politischen Situation nach dem Kalten Krieg, in der Staaten nicht gegen militärische Kräfte anderer Staaten mobil machen, sondern gegen eine ganze Reihe von undefinierten Bedrohungen, die angeblich in der Stadt, in den städtischen Räumen lauern. Eine ganze Reihe an neuen Vorstellungen bezüglich des Städtischen tauchen auf und im Zuge des so genannten Kriegs gegen den Terror werden Städte zu Zielobjekten neuer Überwachungssysteme. Auf Basis dieser globalen Strategie üben die USA und bis zu einem gewissen Grad auch europäische Länder – vor allem Großbritannien – eine Form kolonialer Gewalt gegen Länder wie Afghanistan und Irak aus. Sie unterstützen die Politik Israels in Palästina und machen zudem die Städte im eigenen Land, sei es London, Paris oder Berlin, zum Ziel ihrer Aktivitäten. Solche Städte werden von Sicherheitskräften zunehmend als potenzielle Orte radikaler Opposition, sozialer Bewegungen etc. angesehen.
Was mich nun interessiert, ist der Zusammenhang zwischen Kriegen wie dem im Irak und einer veränderten Stadtpolitik im eigenen Land. Hier lohnt es sich, auf den berühmten französischen Sozialtheoretiker Michel Foucault zurückzugreifen. In den Arbeiten Foucaults insbesondere zu Überwachung und Disziplin scheint diese Verbindung für eine bestimmte Epoche bereits auf. Denn Kolonialreiche – Frankreich und Großbritannien, aber auch Belgien und teilweise andere europäische Staaten – exportierten europäische Vorstellungen und Ideen in die Kolonien. Natürlich beruht Kolonialismus genau darauf, doch Foucault wies auch auf einen Bumerangeffekt dieser Vorgänge hin. Demnach fänden in den Kolonien durchgeführte Experimente wie Kontrolle über die Bevölkerung oder Versuche der Stadtplanung ihren Weg zurück in die europäische Gesellschaft, in die Metropolen in den Herzen der westeuropäischen Mächte.
Die Umgestaltung von Paris durch Baron Haussmann – die berühmten Boulevards, mit denen Paris Mitte des 19. Jahrhunderts zum Zwecke der Modernisierung durchzogen wurde, aber auch zu dem Zweck, die polizeiliche Kontrolle der engen und dicht besiedelten Stadtviertel zu erleichtern – möge hier als historisches Beispiel dienen. Oder die Besetzung Palästinas durch die Briten um 1918, während des Ersten Weltkriegs, als die Briten in manchen Problemvierteln von Jaffa Boulevards anlegten. Analog zu den Maßnahmen Haussmanns wurden hier ankerförmige Boulevards teils mit Gewalt durchgesetzt. Das gleiche gilt für Fingerabdrücke. Sie sind für uns heutzutage eine ganz selbstverständliche Methode zur Identifizierung von Menschen, die überall angewendet wird, aber ursprünglich wurden sie von den Briten in den indischen Kolonien als Kontroll- und Identifikationsmittel der oftmals analphabetischen Bauern in der Umgebung von Kalkutta eingesetzt. Nachdem sich diese Praxis etabliert hatte, wurde sie von KriminologInnen und PolizistInnen in Europa in ihre Arbeit integriert und gilt heute als selbstverständlich. Als letztes Beispiel erwähne ich das berühmte panoptische Gefängnis, das auf den Ideen von Jeremy Bentham basierte. Ursprünglich sollte es dazu dienen, GefängnisinsassInnen in den Kolonien – vor allem in den französischen Territorien Nordafrikas – besser zu überwachen. Erst danach kam das Konzept als Bumerang in die Mutterländer zurück und wurde dort in Städten übernommen.
Military Urbanism – Bumerang neokolonialer Kriege
Im letzten Jahrzehnt hat es eine ganze Reihe ähnlicher Bumerangeffekte gegeben, die damit zu tun haben, wie sich das Militär und die Sicherheitsdienste in diversen Ländern, allen voran in den USA und in Großbritannien, den Städten gegenüber positionieren und gegen die angeblichen Bedrohungen in urbanen Räumen vorgehen. Diese Entwicklung bezeichne ich in meinem Buch als new military urbanism. Die Analyse der Geopolitik nationaler Sicherheitsinteressen führt WissenschaftlerInnen übereinstimmend zu dem Schluss, dass es kein richtiges Schlachtfeld mehr gibt. Es gibt keine nationalen Streitkräfte, die in einem bestimmten geografischen Gebiet andere nationale Streitkräfte angreifen und die Schlacht oder den Krieg irgendwann offiziell für beendet erklären können. Gemäß solcher Analysen befinden wir uns in einer wesentlich verschwommeneren Umgebung. Das Schlachtfeld (Battlefield) ist gemäß dieser Analysen einem Kampfgebiet gewichen, das sich über die ganze Welt erstreckt. Dieses Kampfgebiet (Battlespace) ist allumfassend und reicht von der menschlichen DNA bis zum Weltraum.
Noch wichtiger ist, dass diese Idee der Mobilisierung und des Kampfes keine Grenzen hat. Überall wird gegen potenzielle Feinde gekämpft, angefangen bei städtischen Infrastrukturen und Gleissystemen, über das Internet, den digitalen Finanzsektor, Container-Systeme, globale Fluglinien, öffentliche Räume, die Austragungsstätten der Olympischen Spiele bis hin zum Cyber-War und Hacker-Angriffen. In dieser Vorstellung hat der Kampf gegen unsichtbare und lauernde, nichtstaatliche Feinde, seien es soziale Bewegungen oder Terrornetzwerke, keine Grenzen. In der Praxis erwächst daraus die Vorstellung vom asymmetrischen Konflikt. Die Intifada und die 9/11-Angriffe waren wichtige Argumente für diese These, die besagt, dass staatliche High-Tech-Sicherheits- und Streitkräfte heutzutage gegen nichtstaatliche AkteurInnen kämpfen, deren Technologie unterlegen ist und die als ZivilistInnen in Erscheinung treten und somit in der Stadtbevölkerung kaum auffallen. Solche Vorstellungen sind an sich problematisch, aber sie sind Teil eines gegenwärtig wirkmächtigen Diskurses. Eines Diskurses, der dazu beiträgt, die Grenzen zwischen polizeilicher Kontrolle und militärischen Operationen zu verwischen. Eines Diskurses, der auch die Grenzen zwischen Geheimdienstoperationen und polizeilicher Kontrolle erodieren lässt. So beginnt die Polizei zu bestimmten Anlässen, Olympischen Spielen, G20-Gipfeln oder zum Zweck der Migrationskontrolle, Probleme einer eigentlich nationalen Maßstabsebene zu bearbeiten. Das New York Police Department hat aktuell zehn Außenstellen auf der ganzen Welt, die sich nur mit der Migration nach New York befassen. GeographInnen würden das als politics of scale bezeichnen – die Verschiebung der für unterschiedliche Maßstabsebenen vorgesehenen Organisationen.
Die geht einher mit einem Machtzuwachs der Sicherheitsdienste im Inneren. Das Militär kümmert sich immer öfter um die Sicherheit von Städten wie London. Dort wurden zuletzt Raketen auf Wohnblöcken positioniert.[1] Dieses Verwischen der Grenzen betrifft das Recht genauso wie die Definitionen von Bedrohungen, und es führt dazu, dass die traditionelle Vorstellung von Schuld und Unschuld untergraben wird. Es ist offensichtlich, dass sich Staaten für den Krieg gegen den Terror der Mittel der Entführung, der Entrechtung von Kriminellen sowie der Verurteilung von Menschen ohne Beweise für ihre Schuld bedienen. Das entspricht auch der Idealvorstellung eines sogenannten langen Krieges – eines Krieges mit unscharfen Konturen; eines Krieges, der eigentlich keiner ist, der aber sowohl im Landesinneren als auch in den Grenzgebieten zu brisanten Situationen führen kann.
Sicherheitsökonomie
Ein Bumerang-Effekt ist die Etablierung eines eigenen wirtschaftlichen Bereichs. Rüstungsimporte verringern sich in den meisten Ländern, und dafür gewinnt ein zunehmend unübersichtliches Gemenge an Einfluss, das sich aus Waffenfirmen, SicherheitsdienstleisterInnen, ProduzentInnen von Überwachungstechnik und biotechnologischer Industrie zusammensetzt. In einer Zeit der Austerität wachsen die Märkte für innere Sicherheit rapide an – gefasst als die Gesamtheit der Maßnahmen zur Kontrolle von städtischen Räumen, Infrastrukturen, Architekturen und so weiter. Das Credo von den unbekannten Bedrohungen, die quasi überall lauern können und niemals endgültig zu beseitigen sind, stellt ein äußerst lukratives Argument für die Sicherheitsindustrie dar.
Die EU ist bestrebt, dass europäische Rüstungskonzerne – British Aerospace Systems, Dassault und andere – mehr Drohnen verkaufen. Die größten Marktanteile befinden sich derzeit in israelischer und amerikanischer Hand. Und in diesem Zusammenhang ergeben sich weitere relevante Fragen: Wie viele Universitäten sind an der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich beteiligt? Welche Umstrukturierungen nehmen große Rüstungskonzerne – wie z. B. Raytheon oder General Dynamics – vor, die jetzt beide Grenzüberwachungssysteme bauen? Bei Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen in London werden zur Sicherung einer einzigen Sportveranstaltung Verträge über mehrere Milliarden Dollar mit Unternehmen geschlossen, die teilweise auch in Bagdad aktiv sind. Es ist nicht einfach, diesen veränderten Wirtschaftsbereich oder diese neue politische Ökonomie zu verstehen. Einige bemerkenswerte Initiativen haben sich das zur Aufgabe gemacht. In Paris gibt es eine Gruppe namens Bureau d’Etudes[2], die all diese Unternehmen verzeichnet hat – IT-Firmen, Telekommunikationsunternehmen, Think-Tanks etc. – und auch zeigt, in welcher Weise sie in Beziehung miteinander stehen und in welchem Maße sie von den Regierungen finanziert werden. Vor dem Hintergrund des Credos asymmetrischer Konflikte erscheint alles als Kampfgebiet, und entsprechend besteht an zusätzlichen und intensiveren Überwachungssystemen Bedarf.
Bestimmte Ereignisse werden zu Schaufenstern für diese neue Sicherheitsökonomie, also für den new military urbanism. Die Geschichte der Sicherheitsmaßnahmen rund um politische Gipfel wie die der G20, NATO, G8, IMF oder WTO ähnelt stark der Geschichte der Sicherheitsmaßnahmen bei Sportveranstaltungen[3], die z. B. neue Überwachungssysteme, neue Gesetze, neue Polizeieinheiten hervorbringt. Bei den Olympischen Spielen in London war mehr Militär im Einsatz als in Afghanistan. Es befanden sich 750 amerikanische GeheimdienstmitarbeiterInnen vor Ort, ein Flugzeugträger war mitten in der Stadt stationiert, Raketen- und Drohnensysteme wurden installiert. Wenn das kein Krieg ist, was ist dann Krieg? Solche Veranstaltungen bieten die Gelegenheit, Expertise und Technik für den anschließenden Verkauf zu demonstrieren. Für Regierungen sind Olympische Spiele heutzutage vielleicht nicht nur eine Möglichkeit, Medaillen zu gewinnen, sondern auch eine Möglichkeit, Gelder für die eigenen Sicherheitsunternehmen zu akquirieren.
Städtische Sicherheitsarchitektur
Ein weiterer Punkt steht im Zusammenhang mit dem Zitat, das ich auf der eingangs erwähnten Tagung gehört habe, nämlich dass »große Teile der strategisch wichtigen Städte der westlichen Welt derzeit zu Sicherheitszonen umgewandelt werden«. In Städten wie New York sind Orte wie die Wall Street oder die City Hall in Manhattan, an denen man das höchste Risiko für Terroranschläge vermutet, weiträumig abgeriegelt. In solchen Sicherheitszonen werden immer öfter sehr umfangreiche Verteidigungsmechanismen integriert. Das Problem bei solchen Maßnahmen ist, dass sie zunehmend auch die Funktion haben, politische Aktivitäten allgemein zu beschränken. Deswegen wurde gegen die Einrichtung von städtischen Sicherheitszonen im Zuge der Occupy-Demonstrationen auf der ganzen Welt heftig protestiert, vor allem am Beispiel Wall Street.
In London ist die US-Botschaft quasi ein Symbol dafür, wie weit man in dieser Hinsicht gehen kann. Die USA geben eine Milliarde Dollar für die Errichtung der Botschaft aus. Das Gebäude soll vor Angriffen durch LKW-Bomben sicher sein, also wird hinter einer schmucken Glasfassade praktisch ein Bunker versteckt. Auch hier haben wir es mit dem Foucault-Bumerang zu tun. Neuartige Bunkertypen, die sich von den großen Betonbauten aus dem letzten Jahrhundert unterscheiden, liegen im Trend. Sie sind zeitgemäß, sie sind postmodern, aber sie funktionieren nach wie vor als Bunker.
Diese problematischen Entwicklungen spiegeln sich auch in der Art wider, wie Protestaktionen kontrolliert werden. Überall auf der Welt gibt es »rebellierende Städte« (David Harvey). Nordafrika war in den letzten fünf Jahren sicher das prominenteste Beispiel. Das Problem bei der neuen Ausrichtung des new military urbanism liegt darin, dass demokratische Bemühungen und Bewegungen der Zivilbevölkerung zu der gleichen Sorte von Bedrohungen gezählt werden wie LKW-Bomben oder Selbstmordattentate im al-Qaida-Stil. Militarisierte Polizeieinheiten gehen überaus einschüchternd gegen Menschen vor, die von ihren demokratischen Bürgerrechten Gebrauch machen, und setzen dabei Technologien ein, die in den Kolonialgebieten angewendet wurden. Das können Drohnen sein oder so genannte nicht-tödliche Waffen, z. B. LRADs.[4]
Überwachungstechnik
Die Obsession für neue Technologien und die Möglichkeiten von Überwachung sind ein weiterer Aspekt des Systems. Die Problematik liegt auf der Hand: Wenn die Bedrohung angeblich unsichtbar in der Stadt lauert, wenn praktisch die Stadt selbst die Bedrohung darstellt – wie lassen sich dann die gefährlichen Element identifizieren? Die einzige Möglichkeit, die ich im übrigen für einen Mythos halte, ist, zu sagen: »Wir haben diese ganze neue Technologie und können im Voraus erkennen, wer Böses im Schilde führt.« Hier zeigt sich eine Besessenheit für moderne Technologie, die ihren Ursprung beim US-Militär hat. In einigen Werbeanzeigen in Militärmagazinen tritt dieses Vertrauen in die Technik deutlich zutage. Ein aktuelles Beispiel ist etwa die Anzeige für einen Hubschrauber mit Infrarotsensoren. Er wird verkauft, weil er die riesige komplexe Welt einer Stadt bei Nacht abtasten kann. Das Überwachungssystem wird mit dem Slogan »Every Night, All Night« beworben, der Helikopter steht also die ganze Nacht zur Verfügung. Unter der Abbildung steht »We’ve Got Your Back« (siehe Abb. 2). Die Botschaft lautet also, dass überall in der Stadt Gefahren lauern und es für jede dieser Gefahren die passende Technologie gibt, die Klarheit darüber verschafft, wo die Bösen sind und was sie tun (werden). Der foucaultsche Bumerang ist, dass der Hubschrauber zwei Seiten hat. Die linke Seite ist für Bagdad ausgerüstet, sie hat Raketen, die rechte Seite für Baton Rouge, das ist die Hauptstadt von Louisiana. Der Slogan lautet »From Bagdad to Baton Rouge«. Bagdad und Baton Rouge stehen also auf einer Stufe, beide stellen eine Bedrohung dar. An diesem Beispiel wird das uneingeschränkte Vertrauen in fortschrittliche Technologie augenfällig. Technologien, um die Stadt zu durchleuchten, um die Bedrohungen in dieser außerordentlich komplexen Welt aufzudecken. Bedrohungen, die teils erfunden werden, wie eine Reihe kritischer ForscherInnen betont.


Worin liegt für das Militär in einer städtischen Umgebung die Herausforderung? Die Herausforderung liegt in dem Umstand, dass sich ZivilistInnen und KombattantInnen nicht unterscheiden lassen. Niemand trägt Uniformen oder Tarnkleidung, die verwendeten Fahrzeuge sind gewöhnliche PKWs, und die Infrastruktur ist regulärer Bestandteil der Stadt. Die Stadt ist der Feind, das ist das Problem. Die Antwort in einem Paper (siehe Abb. 3) des US-Verteidigungsministeriums lautet: »We need close-in, terrestrial means«. (DSB 2004) Das bedeutet so viel wie: Wir kommen in jeden Raum, zu jedem Menschen, in jede Infrastruktur, und das mit einer Software, die im Vorhinein erkennt, dass etwas Böses passieren wird. Das Programm nennt sich »Combat Zones That See«. Was kann passieren, wenn man die derzeit üblichen Kameras automatisch steuern kann? Zurzeit werden die meisten Überwachungskameras manuell bedient. Üblicherweise gibt es einen großen Kontrollraum, in dem eine meist unmotivierte, von ihrer Aufgabe gelangweilte Person damit beauftragt ist, die Überwachungsbilder im Auge zu behalten. Für die Überwachung ist das ein Problem. Die vermeintliche Lösung, die Automatisierung der Analyse, schafft jedoch oft noch mehr Probleme.
Statt eines manuellen Systems soll ein automatisiertes System mittels Computerprogramm entscheiden, was in der Stadt normal und was nicht normal ist. Aber wer entscheidet, was um zwei Uhr nachts oder um zwei Uhr nachmittags an welchem Ort der Stadt normal ist? Die Software (Video Analytics) entscheidet beispielsweise auf Basis von Algorithmen, was normal und was gefährlich ist. Es kann also zu der Situation kommen, dass ein Programmierer entscheidet, was um drei Uhr nachts in Berlin normal ist – ohne über nähere Umstände Bescheid zu wissen.

Kulturelle Repräsentation des Feindes
Ein weiterer Bumerangeffekt ist besonders mächtig, denn er umfasst die ganze Bandbreite kultureller Artefakte – Nachrichten, Videospiele und Spielzeug –, bei denen die Grenze zwischen Krieg und Unterhaltung zunehmend verschwindet. Das hatte in den letzten zwölf Jahren einen sehr starken Einfluss. Auf der einen Seite haben wir das Militär selbst, das Videospiele produziert, vor allem die US-Armee und die US-Marine. Es gibt z. B. ein Spiel der US-Armee mit dem Titel America’s Army, das in einer fiktiven, aber offensichtlich arabischen Stadt angesiedelt ist, wo alle zu den Bösen gehören, wo es keine ZivilistInnen und kein ziviles Leben gibt. Wenn man jemanden erschießt, verschwindet er, es gibt keine Schreie, keine Leiche, kein Blut. Das ist die Kultur der Videospiele. Die Absicht dahinter ist, Leute zu rekrutieren und echten Krieg harmloser darzustellen. Stellen Sie sich nun junge Männer vor, die auf der Basis dieser Kultur rekrutiert wurden und dann in den echten Krieg in Bagdad geschickt werden. Es gibt einige Hinweise dafür – und das ist wenig überraschend –, dass sich das Verhalten in diesen Videospielen in ethischem oder nicht-ethischem Verhalten in der Realität widerspiegelt. America’s Army gibt es auch in Form realer Veranstaltungen (The American Army Experience), die im Umfeld von Rodeos oder Flugshows stattfinden. Dort kann man z. B. echte Militärfahrzeuge mit echten Waffen hautnah erleben. BesucherInnen können sich durch eine virtuelle arabische Stadt bewegen und permanent Feinde erschießen.
Wie in allen Kriegen ist die Art und Weise bedeutsam, in der die visuelle Kultur die Vorstellung des Feindes, des Anderen formt. Jetzt wird diese Visualisierung wesentlich vertrauter, da die Videofilm- und Videospielekultur diese ferne Welt ständig simuliert. Welche Bedeutung hat diese Entwicklung für tatsächliche Waffensysteme? Das Töten mit Drohnen ist zu einer geradezu normalen, alltäglichen Praxis geworden. Vor allem für das US-Militär und bis zu einem gewissen Grad auch für das israelische. Drohneneinsätze stellen eine niederschwellige, gewohnheitsmäßige und extralegale Form des Tötens dar, gesteuert mit einer weit vom Schauplatz entfernten, konsolenähnlichen Steuerung. Das System zur Steuerung dieser Drohnen ahmt ganz bewusst den Controller der PlayStation nach. Wenn man junge Menschen einsetzt, die mit der PlayStation aufgewachsen sind, warum sollte man dann das Rad neu erfinden? DrohnenpilotInnen sind z. B. am Stadtrand von Las Vegas stationiert. Eine Pilotin beendet ihren Arbeitstag, holt dann ihre Kinder von der Schule ab und geht in den Supermarkt. Damit haben wir den seltsamen Kontrast, dass die Initiierung von roboterhaften Angriffshandlungen am anderen Ende der Welt Teil einer ansonsten unauffälligen Alltagsnormalität sein kann. Das ist vielleicht der ultimative Bumerangeffekt, um Foucaults Begriff zu verwenden.

Simulation städtischer Kriegsführung
Es gibt aber nach wie vor die traditionelle Art der Simulation, nämlich die echte Simulation, bei der Städte gebaut werden, die den Städten der angenommenen Feinde ähneln. Solche Attrappenstädte werden von den westlichen Militärs in ganz Nordamerika und teilweise auch in Europa gebaut. Sie werden ausschließlich entwickelt, damit sich Truppen für so genannte urbane Einsätze vorbereiten können und lernen, wie man eine urbane Umgebung kontrolliert. Manche dieser Städte sind außergewöhnlich ausgefeilt. Eine dieser Attrappenstädte in Louisiana hat sogar ihre eigene Bevölkerung. Sie besteht aus AmerikanerInnen arabischer Herkunft, die wie AraberInnen aus dem Irak gekleidet sind und unechte Aufstände anzetteln, die Straßen mit unechtem Leben füllen, die den irakischen Alltag in all seinen Formen leben, damit sich die US-Truppen simulierten Herausforderungen stellen können, die sie genauso bei ihren Einsätzen erwarten. Die größte dieser Attrappenstädte befindet sich in der Wüste Negev und wurde vom amerikanischen Corps of Engineers für das israelische Militär erbaut. Sie heißt Baladia und umfasst ca. 300 Gebäude. Die ganze Stadt existiert nur zu dem Zweck, dass israelische Soldaten vor ihren Einsätzen in Gaza, im Libanon, in Jenin, in Nablus üben können. Es gibt aber nicht nur klischeehafte arabische Attrappenstädte, die in westlichen Ländern zu Übungszwecken errichtet werden, sondern auch amerikanische Städte in Form von US-Militärstützpunkten, die in die ganze Welt exportiert werden. Wir finden also Straßen und Vorstädte im US-Stil an weit entfernten Orten wie Korea, Okinawa und natürlich auch Deutschland oder Großbritannien.
Künstlerische und aktivistische Gegenstrategien
Abschließend will ich mich AktivistInnen, sozialen Bewegungen und KünstlerInnen widmen, die den new military urbanism auf unterschiedliche Arten infrage stellen, kritisch beleuchten und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen. Diese Praxis ist wichtig, weil die veränderten Strategien zumeist unbemerkt und ohne kritische Prüfung eingeführt werden. Fredric Jameson hat überzeugend gezeigt, welche Normalität die Trennung zwischen Metropole und Kolonie in der europäischen Tradition hatte. Städte wie London oder Paris auf der einen und die Kolonien auf der anderen Seite galten als zwei völlig getrennte Welten. In unserer zivilisierten Welt gab es Freiheit, Gesetze und zivile Politik, während da draußen Anarchie, Barbarei und rassische Andersartigkeit herrschten. Aber in Wahrheit sind die Metropolen und die Kolonien natürlich untrennbar verbunden. Jameson hat in einer Arbeit von 2003 sehr treffend bemerkt: »Die Trennung der Kolonie von der Metropole ist im Grunde eine systematische Verschleierung der kolonialen Arbeit, auf der der Wohlstand westlicher Städte basiert [...]«.
Die Schlussfolgerung lautet, dass wir die Wahrheit über unsere Metropolen nicht kennen. Wir kennen die Wahrheit über die Ökonomie, das Leben und die Kultur unserer Metropolen nicht, solange wir nicht wissen, was an diesen weit entfernten Orten in unserem Namen – zumindest theoretisch – passiert.

Eine Gruppe New Yorker KünstlerInnen hat die Straßen Manhattans während des Parteitags der Republikaner 2004 mit der Projektion der erwähnten Videospiele überzogen. So wurde deutlich, dass die im Spiel imaginierten arabischen Städte durchaus eine Realität haben, von echten Menschen bewohnt werden und keine bloßen Kampfszenarien sind.
Ein anderes, eindrucksvolles Beispiel, vielleicht das bekannteste von allen, ist folgendes: AktivistInnen, GeographInnen und UrbanistInnen deckten eine versteckte Operation auf – die Überstellung von Terrorverdächtigen. Es handelt sich hier um eine Initiative von Trevor Paglen, einem Künstler und Geographen aus den USA, der mit KünstlerInnen und interessanterweise mit Plane-Spottern zusammenarbeitet. Diese haben zahlreiche Flugzeuge im zivilen Luftraum entdeckt, über die niemand etwas wusste. Trevor Paglen und andere stellten fest, dass die Flüge der Überstellung von Terrorverdächtigen dienten. Häftlinge wurden durch die CIA entführt und an Orte gebracht, an denen Folter weniger sichtbar und gesetzlich weniger problematisch war. Das wurde beobachtet und aufgezeichnet – das ist klassische kritische Geographie und eine großartige Initiative.
In einem ersten Schritt geht es immer darum, Unsichtbares sichtbar zu machen. Ein Beispiel dafür ist die Grenze zwischen Mexiko und den USA, die eine der zentralen tektonischen Zonen zwischen dem globalen Süden und Norden darstellt. Sie ist sehr umkämpft und wird zunehmend militarisiert. Boeing und israelische Unternehmen haben hier High-Tech-Zäune errichtet. Eine Organisation namens Humane Borders (http://www.humaneborders.org) hat sich der Aufgabe verschrieben, zu dokumentieren, welche Menschen beim Versuch, die Grenze zu überqueren, ums Leben gekommen sind (siehe Abb. 5) Die Gruppe macht auf diese Weise sichtbar, was normalerweise unsichtbar bleibt. Viele nicht verzeichnete Todesfälle werden so publik gemacht. Außerdem führt die Organisation einfache Aktionen wie das Deponieren von Wasser in der Wüste durch, um den MigrantInnen das Überleben zu ermöglichen. Das wird in einem Umfeld, in dem es gilt, gegen den Feind vorzugehen, als radikales Vorgehen angesehen.
Eine Reihe von Künstlerinnen und Künstlern setzt sich derzeit mit Fragen der Militarisierung auseinander. Besonders hervorheben möchte ich die Arbeit von Elin O’Hara Slavick. Sie hat zahlreiche künstlerische Karten erstellt, die sich mit amerikanischer Gewalt im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg befassen – mit Orten, die bombardiert wurden, mit der CIA und einer Reihe von problematischen Undercover-Operationen. Eine andere Arbeit setzt sich intensiv mit der bereits erwähnten Problematik auseinander, dass arabische Städte in Videospielen ausschließlich als Orte imperialistischer Gewalt dargestellt werden. Ein solches Projekt verfolgte Anne-Marie Schleiner 2004 in New York. Es ging ihr darum, auf künstlerische Weise die Ähnlichkeiten zwischen ihrer Heimatstadt und einer so genannten feindlichen Stadt aufzuzeigen. Eine andere Arbeit nannte sich You Are Not Here und wollte den Menschen, die in diesem Fall in Tel Aviv lebten, zeigen, dass Bagdad zunächst eine ganz normale Stadt ist. Die Arbeit bestand aus Informationen über Bagdad, die an unterschiedlichen Orten in Tel Aviv geolokalisiert waren.
Die Wiener Gruppe System 77 nahm den zunehmenden Einsatz von Sicherheitstechnik zum Anlass, den Bau einer eigenen Drohne anzustreben (siehe Abb. 6). Warum sollten nur die Sicherheitsorgane Drohnen besitzen und verwenden? Drohnen sind doch bis zu einem gewissen Grad einfach nur Modellflugzeuge mit Kameras. Und wenn in Wien Proteste stattfinden, gäbe es unabhängige Bilder aus der Vogelperspektive, auf denen man Gewalttaten der DemonstrantInnen oder der Polizei sehen würde. Dieses technische Instrument könnte dazu beitragen, der üblichen Mediendarstellung entgegenzutreten, wonach solche Auseinandersetzungen Produkt einzelner gewalttätiger AnarchistInnen seien, denen es nur um Randale geht. In Wahrheit sind es oft sehr gut organisierte ZivilistInnen, die an demokratischen, sozialen und politischen Veränderungen interessiert sind. Schlussendlich kam es allerdings nicht zum Einsatz dieser Drohnen, da das Vorhaben rasch kriminalisiert wurde.
Anliegen einer kritischen Sozialwissenschaft sollte es immer sein, zu zeigen, dass normale Dinge nicht normal sind. In diesem Sinne haben AktivistInnen in den USA Plakatwände gestaltet.[5] Hintergrund war die Beobachtung, dass der Sender Fox News, der einen erheblichen Teil der öffentlichen Debatte prägt, einen großen Teil des Problems darstellt. In den Darstellungen des Senders wird der Krieg erotisiert, nationalistische Gewalt wird zu einem gottgegebenen Recht der USA erklärt, und das Recht, überall militärisch einzugreifen, wo man es für richtig hält, wird propagiert. Somit werden die Nachrichten selbst zu einem Täuschungsmanöver, sie werden zu einer Erweiterung der Täuschungsmanöver der US-Regierung. Aber auch an Universitäten gibt es eine Bewegung gegen diese Militarisierung, nicht zuletzt weil viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit für diese Techniken an Universitäten stattfindet.
Der vielleicht mutigste Satire-Versuch stammte von Jakob Boeskov, einem Künstler aus Dänemark, der ein fingiertes Waffenunternehmen namens Empire North gründete und einen Stand auf der ersten Waffenmesse in Peking eröffnete – der ersten, auf der viele Sicherheits- und Waffenunternehmen aus dem Westen vertreten waren. Und er hatte ein sehr überzeugend aussehendes Gerät dabei, das er ID Sniper getauft hatte. Das Projekt griff die Vorstellung auf, wonach es zunehmend darum geht, alles in der Stadt zu jeder Zeit verfolgen und überwachen zu müssen. Er saß nicht an seinem Stand, sondern ließ das Gerät einfach nur mit Marketing-Materialien liegen, in denen in etwa folgendes stand: Das Gerät ermöglicht aus großer Distanz einen GPS-Mikrochip im Körper eines Menschen einzupflanzen, ohne dass er es mitbekommt. Zugleich nimmt eine in der Nähe angebrachte Digitalkamera mit Zoom ein hochauflösendes Bild der Zielperson auf und speichert es für spätere Analysen. GPS-Technologie ermöglicht es, die Person unbemerkt zu verfolgen, wohin auch immer sie sich begeben würde.
Das war selbstverständlich als Satire gemeint und zielt auf die Hinwendung zu immer aufwändigeren Überwachungstechniken. Glücklicherweise funktionieren diese Techniken meist (noch) nicht wie geplant. Städte sind nach wie vor Räume der Bewegung, der Unvorhersehbarkeit und der Proteste – und das werden sie immer sein. Das Erstaunliche ist aber, dass Menschen Schlange standen, um den ID Sniper zu kaufen. InvestorInnen fragten tatsächlich nach Möglichkeiten der Beteiligung an dem Projekt. Boeskov nennt seine Kunst Fictionism – eine Kunst, die eine neue Realität schaffen und den Menschen einen Vorgeschmack auf die Zukunft geben soll.
Es ist nicht meine Absicht, mit der Analyse des new military urbanism eine umfassende Paranoia zu erzeugen, sondern ich hoffe, ein Bewusstsein für die erwähnten Bumerangeffekte zu schaffen, die im Alltag existieren in ihrer Gesamtheit nicht immer erkennbar sind. Jeder, der die Stadt als einen zentralen Ort für demokratischen Aktivismus begreift und diesen Wert verteidigen will, sollte sich viel stärker jener Vorgänge bewusst werden, die ich unter der Bezeichnung new military urbanism zusammenfasse.
Dieser Artikel ist die leicht gekürzte und von dérive redigierte Version eines Textes, der wiederum die von Marek Weber und Henning Füller übersetzte Fassung eines Vortrags von Stephen Graham darstellt. Graham hat ihn auf Einladung des Instituts für Geographie der Uni Erlangen 2012 gehalten. Ein Videomitschnitt des Vortrags ist unter <http://www.video.uni-erlangen.de/clip/id/2218 verfügbar> (Zugriff 5.9.2014).
Fußnoten
Anm. d. Red.: Die Stationierung der Boden-Luft-Raketen auf einem sozialen Wohnbau wurde als Terrorabwehrmaßnahme im Rahmen der Olympischen Spiele ausgegeben. ↩︎
Die Website von Bureau d’Etudes (bureaudetudes.org) ist sehr empfehlenswert, insbesondere die dort publizierten kognitiven Karten. ↩︎
Anm. d. Red.: Siehe dazu z. B. auch den Artikel von Stephan Lanz über die Fußball-WM in Brasilien in dérive 56. ↩︎
Anm. d. Red.: Long Range Acoustic Devices (LRAD) sind Lautsprechersysteme, die auch als Schallkanonen eingesetzt werden können. ↩︎
Anm. d. Red.: Für die Aktion zeichnet die Künstlerin Karen Fiorito verantwortlich. ↩︎
Stephen Graham ist britischer Stadtforscher und Geograph.
Defense Science Board (DSB) (2004): Summer Study 2004 on Transition to and from Hostilities. Washington: Department of Defense, United States of America.
Foucault, Michel (2003): »Society must be defended«. Lectures at the Collège de France, 1975-1976. New York: Picador.
Graham, Stephen (2010): Cities Under Siege: The New Military Urbanism. London, Brooklyn: Verso.
Gregroy, Derek (2011): From a View to a Kill. Drones and Late Modern War.
In: Theory, Culture & Society Vol. 28 (7-8), S. 188-215.
Jameson, Fredric (2003): The End of Temporality. In: Critical Inquiry, Vol. 29, No. 4, S. 695-718.