Elke Rauth

Elke Rauth ist Mitglied des Vorstands von dérive - Verein für Stadtforschung.


Im 19. Jahrhundert, als das Fremde noch knapp hinter der eigenen Haustür begann, und lange bevor die Welt zum Dorf wurde, entwickelte sich das Thema Reisen zum Faszinosum quer durch die gesellschaftlichen Schichten. Befeuert vom technischen Fortschritt der Dampfmaschine, die eine Vielzahl von Expeditionen ermöglichte, was nicht nur neue Reiseliteratur, sondern auch die Anfänge des Tourismus hervorbrachte, begann das Interesse an der großen, weiten Welt zu blühen. Alleine: Die Erkundung der Ferne war ein teurer Spaß, ganz abgesehen von den Gefahren, die eine Reise dazumals noch mit sich brachte. Das Potenzial des Exotischen erkannten aber findige Unternehmer, die in London, Paris und Wien zur Imaginären Reise mittels Guckkästen, Panoramen, stereoskopischen Reisebildern oder Lichtbildervorträgen luden. In weiterer Folge entstanden eine Vielzahl von vergnüglichen imaginären Reisen und Themenparks: Von der Weltausstellung 1873, über das 50.000 m2 große, sensationelle Venedig in Wien und die sommerlichen exotischen Dörfer, die fremde Menschen wie exotische Tiere ausstellten und als erfolgreichste Schau 1896 ein ganzes „Aschanti-Dorf“ in den Prater brachten.

All diesen Phänomenen widmet sich das Wien Museum mit der Ausstellung Zauber der Ferne, welche die Kulturgeschichte des Vergnügens mit einer Geschichte der Illusionstechniken verknüpft. Begleitend zur Ausstellung ist ein äußerst sehens- und lesenswerter Katalog mit einer Vielzahl von erstmals veröffentlichten Abbildungen erschienen, und das österreichische Filmmuseum zeigt im Jänner originale Laterna Magica Aufführungen als Rahmenprogramm zur empfehlenswerten Schau.

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Ausstellung
Zauber der Ferne
Imaginäre Reisen im 19. Jahrhundert
Wien Museum Karlsplatz, 1040 Wien
4. Dezember 2008 bis 29. März 2009


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