Jochen Becker

Jochen Becker ist Kurator, Kritiker und Autor in Berlin. Er ist Mitbegründer von metroZones – Zentrum für städtische Angelegenheiten.


„Is not Main Street almost alright?“ – ist die Hauptstraße nicht fast immer in Ordnung, lautet ein vielzitierter Satz des kürzlich in Philadelphia verstorbenen Architekten Robert Venturi, aufgeschrieben in seinem 1966 erschienenen Buch Komplexität und Widerspruch in der Architektur. Doch erst mit der Untersuchung des Casino-Strips in Las Vegas erlangte der Satz seine Radikalität: Millionen BesucherInnen können nicht ganz falsch liegen.

In alter Pracht
Die 1966 begonnene und 1972 erstmals publizierte Studie Lernen von Las Vegas wurde von Venturis Frau Denise Scott Brown maßgeblich initiiert und dem Mitarbeiter Steven Izenour sowie ungenannten Studierenden der Yale University erarbeitet. Das bis heute vielgelesene Buch über die zeitgenössische Stadt markiert in seiner nun wiederaufgelegten Originalausgabe mit goldgeprägtem Titel, transparentem Umschlag und zahlreichen Kartierungen, Fotos und Skizzen einen Paradigmenwechsel in Architektur und Urbanismus, wobei das AutorInnen-Team mit Pracht neue Kategorien des Gewöhnlichen und des Hässlichen in die damalige Debatte einführte. In der Beachtung von banal wirkenden urbanen Erscheinungsformen bei gleichzeitigem Aufschub der Be- oder Verurteilung weitete sich das Feld des Architektonischen auf den real existierenden Alltag und seine ökonomischen Bedingungen aus: „Der Las Vegas Strip ist keine chaotische Zersiedelung, sondern eine Reihe von Aktivitäten, deren Muster wie in anderen Städten von der Technologie der Bewegung und dem wirtschaftlichen Wert des Landes abhängt.“ Automobilität und Spekulation treiben die Stadtentwicklung bis heute vor sich her.
Das heroische Original wird zweitausendmal gedruckt und heutzutage teuer gehandelt. Die über Jahrzehnte von den AutorInnen vehement bekämpfte Verbreitung der Erstausgabe ist – mit einem neuen Vorwort versehen – nun doch noch möglich. Zum schieren Entsetzen der AutorInnen hatte die legendäre MIT-Press-Grafikerin Muriel Cooper damals das Buch mit allen Mitteln einer Grafikkunst der späten und längst weichgespülten Moderne ausgestattet. Um die zahlreichen Bilder auszubreiten, musste der Text mit viel Durchschuss gestreckt werden. „Das Buch war groß, schwer, kaum auf einem Bibliothekstisch handhabbar und unmöglich im Bus zu lesen oder in der Jeanstasche zu tragen“, grantelt Denise Scott Brown im Vorwort noch heute.
Die Erstausgabe lag bis zu seiner jüngst erschienenen Facsimile Edition nahezu unsichtbar in Bibliotheken, Sammlungen oder Vitrinen, während die seit 1977 weltweit vertriebene Taschenbuch-Ausgabe als Klassiker gilt. In der massiv umgestalteten Neuauflage kam eine Bibliographie hinzu, doch wurde die prächtige Ausstattung stark reduziert. Zudem strich man die Notiz zur Autorenschaft, worin der damals schon prominente Architekt Robert Venturi betont, dass er seine Projekte nicht alleine geschaffen hat. Ebenso fehlten über siebzig kompakt gesetzte Seiten mit bildreich aufgeführten Projekte und Bauten eines konkreten Lernens von Las Vegas – darunter leider auch das South Street Project, welches sich engagiert gegen die Zerstörung eines Armutsquartiers in Philadelphia durch eine Stadtautobahn wandte. Gerade in den Erkundungen, welche von akut Betroffenen 1968 in Auftrag gegeben wurde, zeigt sich die Kraft der durch die Las Vegas-Studie gewonnenen Perspektiven.
Was macht Learning From Las Vegas bis heute so haltbar? Das vielfach übersetzte Buch prägte die Wahrnehmung der modernen, kommerzialisierten Stadt und beeinflusst mit seinen innovativen Methoden bis heute urbanistische Forschungsprojekte sowie deren Kommunikation: OMA/AMO von Rem Koolhaas ist ohne die damals erprobte Bildkraft aus Karten, Referenzen und Collagen kaum denkbar. Learning from Las Vegas gilt als Schlüssel der reflexiven Postmoderne und ist zugleich ein 68er-Projekt. Entwickelt hatten die ArchitektInnen Robert Venturi und Denise Scott Brown mit Steven Izenour ihre Bildsprache durch die Gründung des legendären Learning from Las Vegas Research Studio an der Yale University. Sie brachen gemeinsam mit den Studierenden Richtung Westküste auf, um das Phänomen des Urban Sprawl am Beispiel der Wüsten- und Spielerstadt Las Vegas zu studieren: „Wir bezeichnen es als Zersiedelung, weil es ein neues Muster ist, das wir noch nicht verstanden haben.“
Ihr Studio ist nicht nur Ort für Lehrveranstaltungen und Wissensvermittlung, sondern formuliert sich als Bild-Produktionsstätte für ein neues Stadtverständnis. Das in Folge vielfach übernommene Learning-from-Prinzip überträgt Erkenntnisse aus dem einen Feld auf ein anderes im Sinne struktureller Ähnlichkeiten. Das Team bediente sich dabei vor allem beim methodischen und darstellerischen Arsenal der zeitgenössischen Künste wie auch der aufkommenden Urban Studies. Der Schweizer Kunsthistoriker und jetzige MoMA-Kurator Martino Stierli beschreibt ihre Erkundungen als eine „Methode der Analyse und Darstellung der Stadt im Medium des Bildes”.
Bei „Learning from Las Vegas“ stand ein heute berühmter Fotograf und Maler Pate. Schon auf dem Weg nach Las Vegas besuchte die Forschungsgruppe neben Disneyland auch das Studio von Ed Ruscha in Los Angeles. Der methodische Transfer seiner langestreckten Fotoserie „Every Building on the Sunset Strip“ als lückenloses Panorama der historischen Unterhaltungsmeile von Los Angeles mit allen Fassaden auf beiden Straßenseiten, nun übertragen auf den Strip von Las Vegas, lässt sich unschwer als eine Hommage an Ruschas Arbeit lesen.
Das Forschungs-Studio aus Yale nutzte eine auf der Haube eines Autos befestigte Filmkamera, so wie man es von Kinodrehs kennt, sowie eine aus dem Fenster gehaltene Motorkamera. Eine weitere Fotosequenz, aufgenommen durch die Frontscheibe, folgt in Fahrtrichtung der Strip-Architektur. Motorhaube und Armaturenbrett als künstlicher Horizont gibt inmitten einer turbulenten Stadtlandschaft dem Auge Halt. Die Nachtaufnahmen haben einen geradezu psychedelischen Sog.
Das von Scott Brown konzipierte, von Venturi architekturhistorisch unterfütterte und von Izenour grafisch begleitete Studioprogamm für dreizehn Studierende arbeitete auf der Basis von fünftausend Farbdias, dreitausend Filmmetern sowie einer Fülle von prä-digital gefertigten Dokumenten, Karten und Tabellen die konzeptuelle Analyse von Strip und Sprawl sowie einer aus Neonlicht und Zeichen geschaffenen Symbol-Architektur heraus. Die unreine Erscheinung der Strip-Realität wird im Mix der Medien geordnet: Vielleicht ist ja das Bild der aktuellen Stadt nur mehr als visuelles Narrativ in Film, Bildserie oder Collage fassbar?

Showcase Downtown
Das Architekturzentrum Wien will nun der Architektin, Fotografin und Autorin Denise Scott Brown endlich einen angemessenen Platz in der Architekturgeschichte zuschreiben und widmet ihr eine Einzelausstellung. Dass dies nach 87 Lebensjahren ihre erste überhaupt ist, zeigt die Dringlichkeit des Unternehmens. Die vom engen Mitarbeiter der Architektin Jeremy Tenenbaum gemeinsam mit Angelika Fitz und Katharina Ritter vom Az W erarbeitete Ausstellung Downtown Denise Scott Brown entwirft eine Innenstadt als Ausstellung, die als Personality Show für die Grande Dame errichtet wird: Man schlendert an thematischen Ladenfronten mit viel Bild, Videos und Text vorbei, kann an einem monumentalen Brunnen mit Graffiti oder auf Caféhaus-Stühlen sitzen, erlebt eine instagrammable Fotoselbstinzenierung sowie einen Souveniershop, der im Vergleich zur nahebei stattfindenden Bruegel-Ausstellung geradezu bescheiden auftritt. Allerdings ist das im Az W perfide angebotene Puzzle mit dem uniformen Muster schlichtweg nicht zu lösen.
Downtown als Ausstellung und urbane Simulation erzählt vom Leben einer Künstlerin als Inszenierung einer Fantasie von Stadt, welche so nur mehr im Venetian-Casino Las Vegas oder den Food Courts der Shopping Malls anzutreffen ist. Gleich vor der Tür des Az W tobt im Innenhof des MuseumsQuartiers der budenvolle Weihnachtsrummel, was als Touristenfalle noch besser zu funktionieren scheint als die eigentliche Innenstadt. Downtown Denise Scott Brown ist so real fake, dass es nur mehr ironisch gemeint sein kann. Der familiär gehaltene Schaufensterbummel, mit theatralen Mitteln, teils intimen Plaudereien und heavy Photoshop durch die Mangel genommen, ist strategisch unseriös. Das Layout der ausgedruckten Ladenoberflächen mit ihren exzessiven Infostrecken und wilden Collagen ist ebenso wie der Katalog so gnadenlos halb-professionell gestaltet, dass es für postmoderne Ironiker eine wahre Freude ist. Es gibt sogar eingeschobene Korrekturen bei Fremdtexten wie zu den Säzzer-Zeiten der taz. PuristInnen haben hier nichts zu suchen – die Main Street ist oft eine Mean Street, also gemein.
Was also soll die Ausstellung? Vor allem Denise Scott Brown gleich einem Star von allen Seiten vorteilhaft ausleuchten. Sie öffnete ihre Familien- und Fotoalben, ihre Forschungsmaterialien und Erinnerungen, um aus einem vollen Leben zu schöpfen. Eine baltisch-jüdische Südafrikanerin, geboren als Denise Lakofski im britisch kolonisierten Northern Rhodesia und aufgewachsen zwischen Nazis im Apartheid-Johannesburg, bewegte sie sich mit ihren Studien in Johannesburg, London und Pennsylvania mehr und mehr hinaus in die Welt. Ihr *afrikanischer Blick *auf die USA sowie ihre Liebe zur Concept und PopArt lassen sie mit distanziertem Staunen auf die Krise der späte Moderne schauen.
Die Reise nach Las Vegas wurde zur Liebesreise eines fantastischen Paares, welches Urbanistik, Fotografie und immer wieder auch gebaute Architektur zusammen geprägt hat. Denise Scott Brown übernimmt ein gemeinsames Erbe und weiß zugleich, nicht mehr im Schatten zu stehen. Sie arbeitet zurzeit an der Veröffentlichung ihrer fotografischen Aufnahmen – eine erste Vorschau zeigt das Bändchen Wayward Eye – oder empfängt im zum Studienzentrum umgewandelten Familienhaus Fans und Forschende. Denise Scott Brown erklärt aus ihrem Leben heraus die Welt.
Immer wieder hebt sie den Kampf um die South Street in ihrer heutigen Heimatstadt Philadelphia hervor, wo schon Robert Venturis Vater seinen Obstladen hatte. Die arme und multiethnische Einkaufs- und Wohnstraße sollte 1968 durch den Crosstown Expressway bereinigt werden, weshalb sie von einer AnwohnerInnen-Initiative gebeten wurde, dieses Projekt – letztendlich erfolgreich – aufzuhalten. Mit der in Las Vegas geschulten Aufnahmestrategie zeichnete sie die innerstädtische Straße Haus um Haus auf. Ihr Terrain bleibt das bürgerliche und bürgerschaftliche Engagement: „Das Zurückhalten des Urteils kann als ein Werkzeug verwendet werden, um ein späteres Urteil empfindlicher zu machen. So lernt man von allem.“

Architektur/Fabrik
Der große Unbekannte des Las-Vegas-Trios bleibt bis auf Weiteres Steven Izenour. Der zum Studio in Yale als Assistenz dazugestoßene Architekt und langjährige leitende Büromitarbeiter von Venturi und Scott Brown starb 2001 beim Fahrradfahren an Herzversagen. Seine mit dem Bürokollegen Paul Hirshorn 1979 bei MIT Press veröffentlichte Studie ‚White Towers’ – eine kleine Perle zu industrieller Fast-Food-Architektur mit streng seriellem Bildarrangement, so nüchtern wie bei Ruscha aufgezeichnet – findet man noch recht preisgünstig antiquarisch. Hierin wurde das Verhältnis von Architektur und Populärkultur ausgelotet, denn „im Büro lag Straßenbewusstsein in der Luft“, heißt es im Vorwort. Die 1970 und somit parallel zum LLV-Studio begonnene Fallstudie ist mit nüchternem, von namenlosen Industriefotografen ans Firmenarchiv gelieferten Bildmaterial der Architekturen von 1926 (Milwaukee #1) bis 1972 (Raleigh #2) reich ausgestattet. Das gesammelte Wissen basiert auf den zahlreichen Gesprächen mit dem seit 1935 fest angestellten Architekten Charles Johnson sowie zahlreichen Angestellten in der Zentrale wie auch in den Diners selbst. „Wir hoffen, dass diese Fallstudie ein wenig Licht auf die Natur des kommerziellen Architekturdesigns und den bewussten Einsatz von Zeichen und Symbolen werfen kann, wie zeitgenössische Stile einbezogen werden, und auf die Kriterien, anhand derer man Erfolg bemaß.“
Das 1926 in Milwaukee aufgegleiste „White Tower System“ begründete eine der ersten Fast-Food-Ketten. Drei Jahre später errichtete White Tower allein in Detroit über 30 Standorte. Trotz der Depression expandierte die Kette vor dem 2. Weltkrieg auf insgesamt 130 Standorte. Auf ihrem Höhepunkt Mitte der 1950er Jahre betrieb White Tower 230 Geschäfte in mehreren Bundesstaaten. In den 1960er Jahren jedoch löste McDonald’s mit seinen nunmehr weltweit über 36.000 Lokalen und etwa 14.000 Standorten nur in den USA die Dominanz der White-Tower-Kette ab. Während die alte Kette vor allem in den krisengeschüttelten Innenstädten angesiedelt war und nur langsam in den Vorstädten Fuß fasste, profitierte das global operierende Unternehmen von den „economies of scale“ und attraktiveren Standorten.
1977, zum fünfzigjährigen Bestehen der Firma, wurde dann auch noch der Name in den Tombrock umbenannt, der als Mischkonzern bis heute existiert. Ein letzter White Tower ist in Toledo, Ohio, noch in Betrieb. Insofern hat die Studie 1979, als die einst boomenden Kette strauchelte, den historisch richtigen Zeitpunkt für einen würdevollen Rückblick gewählt: Die White-Tower-Gebäude waren da schon nicht mehr in Weiß gehalten, und auch der Turm fehlte mehr und mehr, sodass sich Image wie Architektur auflösten.
“Visibility” (Sichtbarkeit) war von Anfang an der Maßstab für die Marken-Architektur: Die Gebäude mussten für sich selbst werben und standen „aggressiv abseits von ihren Nachbarn“. Die 24 Stunden geöffneten Lokale mussten freistehend oder zumindest freigestellt sein. Mit weißem Emaille aus Porzellan innen wie außen ausgekleidete und in der Nacht strahlend hell angeleuchtete Eckgebäude mit Turm wurden bevorzugt. White Tower bot ein simples Menue (frisch zubereitete Hamburger, Kaffee, Donuts, Sandwiches, Rührei mit Speck) für zumeist proletarische Stammgäste. Viele Restaurants befanden sich in der Nähe von Bahnhöfen, Haltestellen oder Fabriken. Da die Arbeitswege dank Tram, Bus oder Zug länger wurden, fand die Nahrungsaufnahme mehr und mehr außer Haus statt. Die Gestaltung ging mit der Zeit – vom britischen Mittelalter-Look über die Streamline-Moderne zur Nachkriegs-White-Cube-Rationalität – und wurde immer wieder renoviert, überarbeitet oder auf Rollen von einem Grundstück zum anderen verschoben. Später suchte man die Lokale näher an die suburbanen Knotenpunkte der Autopendler zu rücken. Die kommerzielle Landschaft des Nachkriegsamerikas zeigte eine vom Automobil geformte Vorstellung von Amerika und traf sich immer weniger mit der ursprünglichen Geschäftsidee.
Im Fordismus bot das whiteness der workingman’s restaurants einen Treffpunkt der weißen Arbeiter auf dem Weg in die Mittelschicht. Die White Towers wurden wie am Fließband geschaffen für die am Fließband arbeitende Klasse. „Im Wesentlichen hat [Clarence] Haffeman für White Towers das geschaffen, was Henry Ford für Automobile gemacht hat - eine Produktionslinie, mit der neue White Towers innerhalb einer Woche produziert werden konnten.“ Sie sollten gut gebaut sein, um Wartungsarbeiten zu vermeiden. „Die Effizienz der Produktionslinie war für alle Aspekte der schnell wachsenden Kette das Ziel des Managements.“ Doch wenn runde Fensterfronten zwar teuer waren, allerdings von den Wettbewerbern auch schwerer zu kopieren, orderte der Firmenchef lieber runde Fensterfronten. „Die große Sache war die Präsentation von Masse. […] Wenn Sie ein Stück Kuchen da oben haben, werden Sie es nie verkaufen. Gib zehn oder zwölf Stück nach oben, und du wirst sie verkaufen.“ Die Sparsamkeit ging am Anfang so weit, dass alles auf einfachen Papierservietten serviert wurde: „Senf war verfügbar; Ketchup nicht.“

Carchitecture rules
Ein US-amerikanischer Architekt mit einem Faible für das klassische Rom und eine baltisch-jüdische Südafrikanerin mit einem Faible für US-Pop-Art erkunden gemeinsam mit einem Fan für Fast-Food-Architekturen scheinbar unbekümmert eine autogerechte Casino-Stadt in der Wüste. Das Projekt zielt auf eine neue Art der Erkenntnis, was Bauen und Stadt im späten Kapitalismus denn sei, und weniger auf die direkte architektonische Realisierung. Lernen von Learning From Las Vegas hieße demnach, künstlerische Mittel und stadtplanerische sowie soziologische Darstellungsmethoden neuartig zu verknüpfen. Seither hat das Architektenbüro Venturi Scott Brown allerdings bewiesen, dass mit diesem Rüstzeug überzeugende Bauten entstehen können. Wer ihre Architekturen genauer kennenlernen möchte, greift zum jüngst bei Park Books erschienenen Überblicksband The Difficult Whole. A Reference Book on Robert Venturi, John Rauch and Denise Scott Brown von Kersten Geers, Jelena Pančevac und Andrea Zanderigo.
Denise Scott Brown wurde, was ihrer als Architektin ausgebildeten Mutter noch verwehrt blieb, eine praktizierende, lehrende und forschende Urbanistin von Weltrang. Da sie selbst nicht mehr reisen kann, filmte der Sohn, IT-Unternehmer und Dokumentarfilmer James Venturi, die komplette Eröffnungszeremonie mit seinem Smartphone und übertrug dies sogleich nach Philadelphia. Alles bleibt im Blick der aufmerksamen Denise Scott Brown.

Denise Scott Browns gesammelte Schriften bis 2009 finden sich in dem feinen Buch Having Words (Architectural Association). Eine Auswahl von Fotografien ist unter dem Titel Denise Scott Brown – Wayward Eye im Berliner Verlag Plane-Sites von Andrés Ramirez herausgegeben worden. Die prächtige Erstausgabe von Learning From Las Vegas erschien 2017 als Facsimile Edition bei MIT Press (ca. 70,- Euro). Einblicke in die Architektur ermöglicht die Neuerscheinung The Difficult Whole. A Reference Book on Robert Venturi, John Rauch and Denise Scott Brown, 2016 herausgegeben von Kersten Geers, Jelena Pančevac und Andrea Zanderigo (Park Books). Für den Mai angekündigt wird die Veröffentlichung Eyes That Saw: Architecture after Las Vegas, herausgegeben von Stanislaus von Moos und Martino Stierli (Verlag Scheidegger & Spiess).


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