Jürgen Habermas, der Denker der Öffentlichkeit und Verständigung
Der Tod von Jürgen Habermas hat in der Form zahlreicher Nachrufe und Würdigungen nochmals die Diskussion über diesen großen deutschen Sozialphilosophen aktualisiert, wenngleich er bereits zu Lebzeiten eine Legende war. Für jemanden wie den Autor dieses Textes, der in den 1970er Jahren im Bereich der Sozialwissenschaften studierte, Kulturwissenschaften gab es damals im heutigen Sinn noch gar nicht, war Habermas eine Leitfigur des Denkens. Von Adorno hatte man eine Ahnung, weil man ihn missverstand, Marcuse wurde sogar noch mehr rezipiert, weil er verständlicher schien, Freud wurde erst entdeckt, Benjamin war allenfalls ein Geheimtipp.
Manfred Russo ist Kultursoziologe und Stadtforscher in Wien sowie Redakteur von dérive – Verein für Stadtforschung; seit 1990 Dozententätigkeit an der Universität Wien (Soziologie) und anderen, u.a. Prof. an Bauhaus Uni Weimar.