Die wilde Siedlung Bretteldorf – Ansicht in Richtung Bruckhaufen, um 1935
Das wilde Wien
Rückblick auf ein Jahrhundert informeller StadtentwicklungAuch wenn sie heute weitgehend vergessen sind: Das wilde Siedeln und andere Formen informeller Raumproduktion sind wichtige Stränge der Wiener Stadtbau- und Sozialgeschichte. Sie prägen die Siedlungsstrukturen bis heute.
Als Wien Ende 1918 aus den »unwirklichen, undenkbaren, [...] nur in blutigem Traum verwahrten Jahren« (Karl Kraus) des Ersten Weltkriegs als Hauptstadt einer prekären kleinen Republik hervorging, war es baulich intakt. Weite Teile der rund zwei Millionen Menschen zählenden Bevölkerung waren hingegen von Hunger, Kälte, Krankheit, allgemeinem Mangel, Wohnungselend, Leistungsdruck in der kriegswichtigen Industrie oder den traumatisierenden Gewalterfahrungen an der Front und auf der Flucht gezeichnet. Noch im Jahr 1920 wiesen beispielsweise nur 15 % der Wiener Schulkinder einen normalen Ernährungszustand auf, 45 % waren stark unterernährt (Eder 2015, S. 707). Im Panorama des umfassenden Bankrotts der konservativen Vorkriegsordnung und des Zusammenbruchs eines viele Jahrhunderte alten Staatsgebildes nahmen sich Zehntausende (manche Quellen sprechen von Hunderttausenden), getrieben von purer Not, ihr Recht auf Stadt. Wilde Rodungen, Selbstversorgergärten und Siedlungen fraßen sich, »um alle Eigentumsrechte unbekümmert« (Bauer 1923, S. 9), in die Donauauen, den Wienerwald und in die Äcker am nördlichen und südlichen Stadtrand. Auch Brachen im Spekulationsvorfeld der gründerzeitlichen Blockrandbebauung, Industrie- und Bahnareale, Ziegelgruben oder Exerzierplätze wurden besetzt. Dieser informelle Entwicklungsschub ist in seiner Breite für eine europäische Metropole im 20. Jahrhundert außergewöhnlich. Er sollte sich in reduziertem Umfang nach dem Zweiten Weltkrieg wiederholen und das räumliche Gefüge Wiens bis heute maßgeblich mitbestimmen.
Es ist unser Ziel, diese Geschichte hier in Erinnerung zu rufen und mit Blick auf die gesamtstädtische Siedlungsentwicklung wo möglich auch quantitativ und stadträumlich zu umreißen. Ergänzt wird diese großmaßstäbliche Betrachtung durch einen Ausflug in die legendäre wilde Siedlung Bretteldorf. Im Text tauchen immer wieder Originalzitate auf. Wo es möglich und sinnvoll war, kommen auch SiedlerInnen zu Wort, wenngleich es leider in der Natur einer Geschichte von unten liegt, dass von den sozial Marginalisierten oft nur wenige Quellen und Äußerungen überliefert sind.
Eine Stadt der Siedler und Gärtner?
Das ungeregelte Siedeln hatte, wie die neuere Forschung unterstreicht, seine Wurzeln bereits in der kriegsbedingten Versorgungskrise vor dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns. StadtbewohnerInnen okkupierten mit offizieller Duldung des zunehmend panisch agierenden Ancien Régimes brachliegende Grundstücke, von der Gemeinde Wien wurden in der Schrebergartenaktion ab 1914 große, auch innerstädtische Flächen für die ergänzende Lebensmittel-versorgung herangezogen.[1] Siegfried Mattl (2013, S. 474) bemerkte dazu: »Kriegsküchengärten, Kleingärten, Schrebergärten, die [...] im Wiener Typus ineinander fielen, mutierten zu gutartigen Zellen einer neuen Stadtvision, die aus dem Krieg geboren wurde: Die Vision der Stadt der Siedler und Gärtner.«
Der 1918 bis 1921 rasch wachsende Gürtel von wilden Siedlungen, wie man in Wien die informellen Strukturen nannte, war in mehrerlei Hinsicht illegal: Einerseits wurde oft ohne Einwilligung der Grundeigentümer gebaut, andererseits entsprachen die errichteten Gebäude und etablierten Nutzungen so gut wie nie den Baugesetzen und selten den städtebaulichen Rahmenplänen (Baulinien, Bauzonenplan, Bauverbot im Wald- und Wiesengürtel etc.). Recht bald kam das gesetzeswidrige Dauerwohnen in Kleingärten hinzu.[2]
Auch wenn die verschiedenen Siedlungs- und Innenkolonisationskonzepte weltanschaulich divers waren – von anarchistisch über kommunistisch und sozialistisch bis bürgerlich oder dezidiert unpolitisch –, so war doch ein großer Teil der Siedler- und KleingärtnerInnen in Wien links orientiert, vielfach auch sozialdemokratisch organisiert. Im Gegensatz zu den 1919 in Österreich an die 900.000 Mitglieder zählenden Arbeiter- und Soldatenräten (Pfoser & Weigl 2017, S. 175) war die Spitze der Sozialdemokratie aber bekanntlich dezidiert antirevolutionär eingestellt. Man wiegelte ab, warnte, umwarb, drohte. Es kann also nicht verwundern, dass dem spontanen, aufsässigen Element der Bewegung rasch der Kampf angesagt und Grundsätze der bürgerlichen Gesellschaft wie das Privateigentum wieder durchgesetzt wurden: »Mit dem Wiedereinsetzen ›geordneter‹ politischer Verhältnisse und dem Wiedererstarken staatlicher Autorität etwa ab Anfang der 1920er Jahre wurde der weiteren Entwicklung des ›revolutionären‹ Siedlungswesens der Boden entzogen. Die alternativen und anarchistischen Siedlungen verloren ihre Dynamik in inneren Widersprüchen und Auseinandersetzungen und verliefen sich praktisch von selbst. Die wilden Siedlungen wurden zwar nicht völlig aufgelöst, aber schon durch das volle Wirksamwerden des Eigentumsrechtes, von politischen Bedenken nun nicht mehr behindert, in ihren weiteren Expansionsmöglichkeiten eingedämmt und schließlich sich weitgehend selbst überlassen – praktisch vergessen.« (Stiefel 1983, S. 107 f.)
Entwicklungsphasen einer eingefangenen Bewegung
Tatsächlich gelang es der seit 1918/19 regierenden sozialdemokratischen Stadtverwaltung, die spontan agierenden SiedlerInnen weitgehend einzufangen. In mehreren Demonstrationen mit bis zu 100.000 TeilnehmerInnen vor dem Wiener Rathaus wurde die Gemeindeverwaltung aber de facto auf einen siedlerfreundlichen Kurs gezwungen. Die SiedlerInnen wurden mit Krediten unterstützt, ein großer Teil der besetzten Grundstücke im Nachhinein für Siedlungszwecke umgewidmet, 1921 eine Kleingarten- und Siedlungszone geschaffen. Der wilden Landnahme von unten der Jahre 1918–21 folgte eine Phase der genossenschaftlich organisierten Siedlungen mit kommunalen Finanzhilfen, Eigenleistung beim Bau und Baustoffbereitstellung: die bekannte Wiener Siedlerbewegung (Hoffmann 1987, Novy & Förster 1985, Zimmerl 2002). Planend und organisatorisch u.a. vom neu gegründeten städtischen Siedlungsamt begleitet, entstanden etwa 50 Siedlungen, beispielsweise die von Adolf Loos entworfene Mustersiedlung Heuberg. Vielfach gelang es der Gemeinde auch, okkupierte Grundstücke zu erwerben und Pachtverträge mit den Siedler- und KleingärtnerInnen abzuschließen sowie neue Landnahmen auf Gemeindegründe zu lenken. Ab 1922 wurde ungesetzliches Bauen von der Gemeinde nicht mehr ohne weiteres toleriert (Hösl & Pirhofer 1988, S. 100). Die später u.a. durch ihre Frankfurter Küche bekannt gewordene Architektin Margarete Schütte-Lihotzky war 1920–25 an der Planung und Organisation von zahlreichen Siedlungen bzw. Siedlungsgenossenschaften beteiligt. Sie entwickelte mit anderen ein standardisiertes Kernhaus für SiedlerInnen. In ihren Memoiren beschreibt sie den großen informellen Entwicklungsschub, den Wien ab 1918 erlebte, dessen Konsolidierung mit Hilfe von oben und ihre Werbetätigkeit bei den wilden SiedlerInnen in den Augebieten:
»Die [...] Siedlungen im Flachbau wurden durch eine Massenbewegung von unten her [...] fast erzwungen. Diese Bewegung, die Kleingärtner- und Siedlerbewegung, von deren Umfang heute nur noch wenige Leute etwas wissen, hatte zwei Ursachen: das Wohnungselend und die Lebensmittelknappheit nach dem Kriege. Die Arbeiter griffen zur Selbsthilfe. [...] Siedler und Kleingärtner zogen in endlosen Reihen über die Ringstraße und forderten Grund und Boden, Subventionen und Baumaterial. Die Stadtverwaltung mußte etwas tun, um die Bewegung in geordnete Bahnen zu lenken und das wilde Siedeln zu verhindern. Sie gab den Vereinigungen Boden in Pacht, erteilte Kredite und lieferte Baumaterial durch eine gemeinnützige Baustoffanstalt. Einen Teil der Arbeitsstunden am Bau mußten die Siedler selbst leisten. So entstanden von unten her durch selbstgegründete und selbstverwaltete Vereinigungen die ersten großen Flachbausiedlungen der zwanziger Jahre. Dank der gemeinsamen Arbeit, der Selbsthilfe, der ganzen Art und Weise der Entstehung dieser Siedlungen entwickelte sich in ihnen ein echtes Gemeinschaftsleben, wie ich das später nirgends mehr gesehen habe. [...]
In Vorträgen, wenn Elektrizität vorhanden mit Lichtbildern, zeigte ich den künftigen Siedlern, wie die Häuser aussehen würden und wie sie darin wohnen könnten. Ich erklärte ihnen, daß sie zuerst einmal ihre Vereinigung gründen sollten, was sie tun müßten, um Boden und Kredite zu bekommen usf. In Wien kam ich dabei oft in mir bis dahin völlig unbekannte Gebiete, drüben, hinter der Donau, in ganz primitive ›Bretteldörfer‹, wie sie im Volksmund hießen, dort, wo Menschen ohne Wasserleitung, ohne Gas oder Elektrizität miserabel hausten.« (Schütte-Lihotzky 2004, S. 83–87)
Diese Art intensiver Bemühungen zur Kontrolle und Formalisierung der Siedlungstätigkeit dauerte nur wenige Jahre. 1924–30 wurde der kommunale Geschoßwohnbau von oben, das heute architekturhistorisch so renommierte Rote Wien, zum offiziellen Leitbild: ein bedeutender Schwenk in der sozialdemokratischen Wohnungspolitik und tatsächlich eine Brüskierung der Siedlerinteressen (Frei 1991, S. 191 f.; Hoffmann 1978, S. 717). Dem folgte in einer vierten Phase, schon in der Weltwirtschaftskrise, die Erwerbslosensiedlungen, danach die Stadtrandsiedlungen des Schwarzen Wien der Austrofaschisten. Diese Notprojekte von oben waren dem Wohnungsproblem quantitativ in keiner Weise angemessen.
Das rote und das wilde Wien: Bilanz 1918–38
Als Zwischenbilanz kann festgehalten werden, dass neben der im genossenschaftlichen Modell teilweise formalisierten Siedlerbewegung maßgebliche informelle Elends- siedlungen wie das Bretteldorf fortbestanden und der Räumung entgehen konnten. Parallel dazu stabilisierten sich viele der ausgedehnten Kleingartengebiete widmungswidrig zu Dauersiedlungen. Die Stadtentwicklung von unten ist daher als quantitativ wie qualitativ wichtiger Strang neben die kommunale Raumproduktion der Zwischenkriegszeit zu setzen. Schon ihre Rolle bei der räumlichen Ausdehnung des Siedlungsgebiets ist beachtlich: Aus den Bestandsaufnahmen der Stadtgeografen Bobek & Lichtenberger (1978, Tafel II) zur zwischenkriegszeitlichen Bautätigkeit lässt sich errechnen, dass auf dem damaligen Gemeindegebiet bis 1938 ca. 19 km² Kleingärten und Sommerhüttengebiete, 7 km² Behelfsheime und Kolonistensiedlungen und 4 km² ungeplante Siedlungshausgebiete gewachsen waren. Das entspricht etwa einem Drittel der gesamtstädtischen Siedlungsfläche von 1912![3]

Die bekannte Bilanz des kommunalen Bauens im Roten Wien belief sich bis 1934 auf ca. 57.000 Wohneinheiten (WE) im Geschoßwohnbau und ca. 6.000 WE in städtischen Siedlungshäusern. Dem wären für diese Phase wohl deutlich über 10.000 WE aus der Bottom-up-Stadtproduktion zur Seite zu stellen. Diese waren einerseits Resultat des von der Gemeinde 1921 aufgestellten Großsystems organisierter Selbsthilfe im unterstützten Siedlungsbau (ca. 6.000 WE). Andererseits kann von einer großen Zahl informeller, in keiner Statistik aufscheinender Siedlerhäuser und Behelfsunterkünfte ausgegangen werden. Allein in Bretteldorf und Bruckhaufen bestanden 1925 über 500 solcher Objekte (Hofmann 1985, S. 198). Hinzu kamen wohl einige Tausend widmungswidrig ausgebaute Kleingartenhütten. Obwohl eine systematische Erhebung dazu bislang fehlt, lässt sich ermessen, dass der breite Siedlungs- und Kleingartengürtel um die konsolidierte Stadt einen wichtigen Teil der Lebensrealität von Hunderttausenden WienerInnen bildete. Auch der Selbstversorgungsaspekt ist nicht zu unterschätzen: Nach einer sicherlich nicht als vollständig anzusehenden offiziellen Statistik wurden im Jahr 1936 etwa 7.000 t Obst, 3.000 t Gemüse und Kartoffeln, 50.000 Stück Eier und 20 t Honig allein in den Kleingärten Wiens produziert (Amtsblatt der Stadt Wien 1937/36, S.1).
Letztlich zeigt die Geschichte auch die Ambivalenz in der Duldung, zeitweiligen Förderung und Kanalisierung der Bewegung durch die bis 1934 regierenden SozialdemokratInnen. Zunächst war man in der neu übernommenen Stadtverwaltung von der schieren Masse der wilden SiedlerInnen verständlicherweise überfordert. In einer Zeit der existentiellen Not entlastete die proletarische Selbsthilfe zudem deren paternalistischen Fürsorgeanspruch. Gleichzeitig musste das anarchische Moment, mussten die unprofessionellen Siedlungspläne, die sanitären Zustände und die mangelhafte Ausführung der Bauten die Behörden beunruhigen – das war gleichermaßen in den etablierten Planungs- und Baustandards und in der Form der bürgerlichen Verwaltung angelegt, die man ja lediglich verbessern, nicht überwinden wollte. Die vollendeten Tatsachen der Stadtentwicklung von unten wurden auch in den an die kurze Erste Republik anschließenden Diktaturen (1934–38–45) geduldet. In autoritär-konservativen und faschistischen Kreisen wurden die Kleingärten und Siedlungsgebiete als soziales Überdruckventil und Vehikel der Verkleinbürgerlichung durchaus geschätzt. So phantasierte etwa der austrofaschistische Sozialminister Josef Dobretsberger 1937 von einer »gesunden Befriedung der Klassengegensätze« (zitiert nach Schweitzer 1972, S. 205 f.) und argumentierte, »daß gerade vom Standpunkte der Verteidigung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung unter Umständen auch Opfer der Gesamtheit gebracht werden müssen, weil ohne eine solche Siedlungsbewegung, die den Massen wieder zu Besitz verhilft, diese Wirtschaftsordnung selbst in Frage gestellt wird.« Und letzteres wollte in Kanzleramt und Rathaus bislang noch nie jemand.
Noch einmal Nachkriegszeit
Anders als der Erste brachte der Zweite Weltkrieg Wien massive bauliche Zerstörungen. Die Hitlerei, jenes »schändliche Zwischenspiel der Weltgeschichte« (Der Siedler 2/1946: S. 1), hinterließ in der Stadt unter anderem knapp 87.000 zerstörte Wohnungen. Das war ein Verlust von 13 % des verfügbaren Wohnraums und betraf etwa 270.000 WienerInnen (Lettmayer 1958, S. 392). Ähnlich der Kriegsschrebergärten 1914–18 waren viele brachliegende Grundstücke während der letzten Kriegsjahre von der Grabeland-Aktion, einer von der Gemeinde organisierten Gemüse-Pflanzaktion, in Beschlag genommen worden. Auch waren etwa 2.000 provisorische Behelfsheime für Bombengeschädigte errichtet worden (Weinberger 2015, S. 147 f.) – angesichts der Größenordnung des Problems eine fast vernachlässigbare Anzahl. Wohnraum und Selbstversorgungspotenzial des bestehenden Gürtels an Siedlungen und Kleingärten wirkten sich in den Hungerjahren 1945–47 lindernd aus. Im Vergleich zur Vorkriegssituation lässt sich auch erneut eine starke Zunahme von informellen Siedlungen bzw. die Konsolidierung von Kleingärten zu Dauersiedlungen feststellen. Nach den Bestandsaufnahmen von Bobek & Lichtenberger (1978, Tafel III) waren 1938–56 noch einmal etwa 5 km² Kleingärten, 3 km² ungeplante Siedlungshausgebiete und knapp 1 km² Behelfs- und Kleinhausgebiete auf Neuland entstanden. Das entspricht zusammen immerhin der Fläche der Bezirke 5 bis 9.
Österreich war 1945–55 militärisch besetzt, die Versorgungssituation unsicher, die staatlichen Institutionen zunächst kaum handlungsfähig und die Eliten – wieder einmal – diskreditiert. Der hands-on urbanism von 1918–22 erlebte eine Neuauflage, allerdings in einer nun bereits vielfach organisatorisch und räumlich vorstrukturierten Siedlungs- und Kleingartenlandschaft und ohne kommunitär-lebensreformerischen Impetus (Zimmerl 2002, S. 167 f.). Konservativ-agrarromantische Vorstellungen waren hegemonial geworden. Im Juli 1946 verlautbarte der wiedergegründete Österreichische Verband der Siedler und Kleintierzüchter unter der Überschrift Siedeln tut not!: »Das Streben nach eigener Scholle, so alt es auch ist, erfährt immer wieder neue Impulse in der Zeit der Not und des wirtschaftlichen Tiefstandes. Gerade in diesen Zeiten erhoffen sich viele von der Erfüllung dieses Wunsches die Beseitigung ihrer dringendsten Sorgen. Der Siedlungsgedanke steht daher heute wieder im Vordergrund des Interesses.« (Der Siedler 4/1946, S. 1) Gefordert wurde u.a. eine Auflockerung der Städte und die Bevorzugung des Flachbaus im Wiederaufbau. An anderer Stelle wurde gar auf die planmäßige Freigabe des gesamten Wald- und Wiesen-gürtels gedrängt, denn dieser sei »das natürliche Reservoir, um [den] Bodenhunger« der Siedler- und KleingärtnerInnen zu stillen (Der Siedler 3/1946, S. 2–3).

So weit kam es allerdings nie. Vielmehr wiederholte sich die Geschichte der frühen 1920er Jahre: War die Notwendigkeit zur Selbsthilfe nicht mehr unmittelbar gegeben und die staatliche Autorität wieder erstarkt, konnte das wilde Siedeln zu einer »Behinderung geordneter Stadterweiterung« (Brunner 1952, S. 185–201) und damit zu einem der großen, offiziellen Wiener Probleme ausgerufen werden. Aus Sicht einer konzertierten Stadtplanung von oben mit einigem Recht, wie sich Bürgermeister Franz Jonas in einer Radio-Rede 1955 seinem Publikum zu vermitteln bemühte:
»Die bauliche Auflösung der Stadt, die uns in den letzten Jahrzehnten überrascht hat, und der wir aus den bitteren Nöten zweier Kriege leider nicht gleich Herr werden konnten, macht mir immer ernstere Sorgen. Das gilt für alle Gebiete, in denen verstreut kümmerliche Einzelbauten oder Häuserzeilen und ungeordnete Hausgruppen entstehen, von denen die Kinder weite Wege zur Schule, die Frauen weite Wege zum Kaufmann und die Männer zur Arbeitsstätte haben. Wir müssen uns alle verpflichtet fühlen, dieser ungeordneten Entwicklung entgegenzutreten, damit der Rand unserer Stadt nicht zu einer lieblosen Anhäufung von wilden Siedlungen wird, in denen sich der zwar gutgemeinte, aber falsch beratene persönliche Ehrgeiz der Siedler zum Schaden der Allgemeinheit auswirkt. [...] Das Ergebnis ist eine vollkommen ungeordnete, regellose Verbauung, die den Siedler nie voll befriedigt, die aber dem Stadtplaner, der Stadtverwaltung, dem Natur- und Landschaftsschutz und nicht zuletzt dem Verantwortlichen für die Stadtfinanzen immer ernstere Sorgen bereitet. Um Ihnen zu zeigen, welche merkwürdigen Zustände entstehen können, möchte ich Ihnen einige Beispiele aus der Praxis erzählen. In einer Siedlung, in der die Bodenspekulanten große Gewinne einheimsten, wurde eine so engherzige Streifenverbauung durchgeführt, daß in den hunderte Meter langen, engen Gassen weder Rettungsgesellschaft noch Feuerwehr fahren können. An einer anderen Stelle hatte ein Siedler brav und fleißig an seinem Haus gearbeitet. Als es fertig war, mußte er feststellen, daß er im Inneren des Hauses keinen Stiegenaufgang für das Schlafzimmer im Obergeschoß hatte. Jetzt muß er an der Außenseite des Hauses auf einer Leiter in das Schlafzimmer klettern. Eine andere wilde Siedlung entstand in einem Gebiet, dessen Grundwasserspiegel sehr hoch ist und ständig zu Befürchtungen Anlaß gibt. Im hügeligen Gelände entstand eine wilde Siedlung auf Rutschgebiet. Dort mußte die Gemeinde sehr kostspielige Stützmauern errichten, um viele Siedlungshäuser vor dem Abrutschen zu bewahren.“ (Jonas 1955, S. 120 f.)
So plausibel die Kritik an mangelhafter Planung und Ausführung von wilden Siedlungen und Siedlungshäusern sein mochte, so fragwürdig war zugleich das Bild, das der Wiener Stadtgartendirektor Auer 1957 in der Zeitung Der Siedler vom ordentlichen Siedeln zeichnete. Er entfaltet ein in rassenhygienische Metaphern gefasstes Idealbild, das Siedlungen als »positives erbbiologisches Element« im »Großstadtkörper« darstellt. Auch die oft ausgeklammerten SiedlerInnen kommen hier zu zweifelhaften Ehren: »Eine wesentliche Aufgabe kommt bei der Realisierung und späteren Erhaltung der Siedlerfrau zu, und ist der Siedlergarten irgendwo besonders sauber und gut gepflegt, so läßt sich mit untrüglicher Sicherheit darauf schließen, daß nicht nur der Siedler in Ordnung, sondern vor allem dessen Frau regsam und umsichtig ist. [...] Eine saubere Hausfassade, gut gestrichene Fensterrahmen und ein lückenloser Gartenzaun sind im Verein mit dem gepflegten Garten die beste Visitenkarte der Siedlerfamilie und ergeben in der Summe einen auch für die Allgemeinheit wertvollen Siedlungsorganismus.« (Der Siedler 3/4 1957, S. 1) Die schon in den 1920er Jahren – etwa von Otto Bauer – gehegten Befürchtungen, das Modell Siedlungshaus würde faktisch zu einer Überbürdung der Frauen mit Heim- und Gartenarbeit führen und durch die peripheren Lagen auch ihre Teilnahme am urbanen öffentlichen Leben einschränken, scheinen sich in solchen Zuschreibungen zu bestätigen (vgl. Novy & Förster 1991, S. 35–40, 91 f.).
Wirtschaftswunder und Baumoral
Es spricht einiges dafür, dass die hier behandelte informelle Raumproduktion als Massenphänomen in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre bereits in die Defensive geraten war. Die Beseitigung der dringendsten Sorgen der Menschen besorgten wieder Markt und kommunaler Wohnbau, nicht mehr die Scholle und das Siedlerhäuschen. Das Wirtschaftswunder brachte eine rasche und starke Zunahme der formellen Bauproduktion, oft in Form öffentlicher Großprojekte der Stadterweiterung. Zentral waren hier einmal mehr der Geschoßwohnbau[4] und bald auch die Infrastrukturen der Automobilisierung. Helmut Qualtinger kommentierte den Aufschwung im Schatten des Eisernen Vorhangs mit der sarkastischen Frage: »Merken Sie nicht, wie Wien wieder Weltstadt wird?«
Trotz Absiedlungen (etwa an den Hängen des Wienerbergs) und großflächiger nachträglicher Legalisierungen und infrastruktureller Nachrüstung bestand das Phänomen der informellen Siedlungen aber bis weit in die Phase des fordistischen Baubooms. Zwar war mit dem Bretteldorf 1963 die bekannteste und hartnäckigste aller illegalen Ansiedlungen endgültig aufgelöst und unter dem Gelände der internationalen Gartenschau buchstäblich begraben worden (Lička/Krippner 2011, S.16), das »Problem der wilden Siedlungen« gehörte allerdings noch lange »zu den umfangreichsten und schwierigsten Aufgaben, die von der Wiener Gemeindeverwaltung zu bewältigen sind« (Heiss 1965, S. 6). 1965 musste ein Beamter des Stadtbauamtes feststellen, dass die wilden Siedlungen immer noch ein Gebiet, »fast so groß wie die Bezirke zwischen Ring und Gürtel« (über 10 km²) bedeckten. Das zeige nicht nur, »welch große Flächen einer ordnungsgemäßen Nutzung im Lauf der Zeit entzogen worden sind, sondern auch, wie weit die Meinung verbreitet ist, daß man sich um Vorschriften der Baugesetzgebung nicht zu kümmern brauche. Es ist leicht einzusehen, daß damit Realitäten entstanden sind, die sich nicht leugnen lassen und die sich auch nicht einfach radikal beseitigen lassen, indem man diese Flächen eine nach der anderen abräumt. Es wäre aber ebenso falsch, nun quasi eine ›Generalamnestie‹ auszusprechen [...]. Die nachträgliche Erteilung von Genehmigungen für gesetzeswidrige Bauführungen würde [...] einem weiteren Verfall der ohnehin schon stark angegriffenen ›Baumoral‹ Vorschub leisten. Jeder baut dann irgendwo drauf los, in der Hoffnung, daß das Haus, wenn es einmal steht, niemand mehr wegreißt und daß man nach einiger Zeit sogar obendrein noch die Genehmigung ›nachgeliefert‹ bekommt.« (Heiss 1965, S. 6 f.)
Nachgelieferte Legalität
Was kam danach? Die jüngere Geschichte dieses bedeutenden Stranges der Wiener Stadtentwicklung ist bis heute kaum erforscht. Zwar scheinen seit den 1960er Jahren keine größeren wilden Siedlungen mehr neu entstanden zu sein, die von der Stadtregierung betriebene schrittweise Legalisierung zog sich allerdings bis in die jüngere Vergangenheit. Noch am Beginn der 1980er Jahre erhob die Baupolizei, dass von 1.861 im städtischen Grünland-Schutzgebiet bestehenden Gebäuden lediglich 110 bewilligt, aber 346 widmungswidrig ganzjährig bewohnt seien (MA18 1982, S. 4–6). Interessant ist auch eine Statistik über Abrissbescheide zu illegalen Bauwerken in Grünlandflächen: 1974–82 wurden rund 1.700 Abtragungsaufträge erlassen, von denen allerdings nur 620 (oder 36 %) erfüllt wurden. Der Rest wurde bürokratisch verschleppt, durch Weisungen oder Berufungsverfahren blockiert oder befand sich noch in Bearbeitung. Es blieb den StadtplanerInnen nur, wieder einmal festzustellen, »daß sowohl im Interesse der Bauwerkseigentümer als auch im Interesse der Allgemeinheit festzulegen ist, welche räumliche Entwicklung in einem Gebiet langfristig angestrebt wird, damit dann unbefugt errichtete Bauten entweder legalisiert oder abgetragen werden können.« (MA18 1982, S. 6) Ein Vergleich mit der aktuellen Situation zeigt: So gut wie alle der 1982 beanstandeten Siedlungen bestehen noch heute, den allermeisten wurde eine entsprechende Widmung nachgeliefert und einige wenige sogar erweitert.
Ähnlich verlief die Entwicklung in den weitläufigen Wiener Kleingartengebieten: Deren Konsolidierung zu Dauersiedlungen erhielt durch mehrere Novellen des Wiener Kleingartengesetzes ab 1992 einen finalen Schub. Es wurde explizit die Möglichkeit geschaffen, Gebiete einzubeziehen, in denen der »Baubestand überwiegend keine Baubewilligung« hat und gleichzeitig für einen Übergangszeitraum, der eine Umwidmung ermöglichen sollte, festgelegt, dass »Abtragungsaufträge […] weder erteilt noch vollstreckt werden.« (WKlG 1996, § 23. Abs. 1,7&8) Die neu eingeführte Flächenwidmung Kleingartengebiet für ganzjähriges Wohnen betraf 2015 bereits zwei Drittel aller Gärten (ca. 24.000 von 35.000), wobei in diesen Gebieten nun legal wesentlich dichter gebaut und auch ein Hauptwohnsitz angemeldet werden darf. Viele Parzellen wurden zudem an die Pächter verkauft. Vom Standpunkt einer konzertierten Raumplanung ist diese Entwicklung problematisch, werden damit doch der Stadt große, zusammenhängende, oft gut erschlossene Terrains auf nicht absehbare Zeit entzogen und zu privaten Wohngebieten (Seiß 2013, S. 158 f.), obwohl sie dem Anspruch der Widmung nach eigentlich der Erholung der Bevölkerung dienen sollten. Andererseits geht damit die kostspielige Selbstverpflichtung der Gemeinde zur infrastrukturellen Nachrüstung der Anlagen (Wasser, Kanalisation etc.) auch in peripheren Lagen einher. Dieses Kapitel aktueller Wiener Grünraumpolitik entbehrt in historischer Perspektive nicht einer gewissen Ironie, denn die forcierte Zersplitterung und Aufgabe kommunaler Grundflächen ist das genaue Gegenteil der expansiven Bodenbevorratungspolitik des Roten Wien der 1920er Jahre (Danneberg 1930, S. 63 f.; Czeike 1959, S. 48 f.). Nicht zuletzt war diese ja deshalb Programm geworden, weil man im Rathaus dem spontanen, wilden Siedeln langfristig ein dichteres, wesentlich regulierteres und disziplinierteres Stadt- und Gesellschaftsmodell entgegenstellen wollte. Noch Bürgermeister Jonas (1955, S. 120) hatte gewusst: »Schrebergärten auf Bauland sind vom Standpunkt einer gesunden Bodenpolitik ein Luxus.« Und Bauland auf Schrebergärten?
Ein Jahrhundert informeller Stadtentwicklung
Im Rückblick auf die vergangenen 100 Jahre Stadtentwicklung zeigt sich, dass der Wiener hands-on urbanism, was die Ausdehnung und Permanenz der Siedlungen, Kolonien und Gärten betrifft, sehr erfolgreich war. Der Umgang der Stadtverwaltung mit den wilden SiedlerInnen war nolens volens lange Zeit duldend, teilweise auch fördernd. Erst seit den 1950er Jahren intensivierten sich die Bemühungen, weitere Landnahmen zu unterbinden und Flächen für die zunehmend dynamische formelle Stadtentwicklung zurückzugewinnen. Gemäß der Maxime der Stadtverwaltung, unbillige Härten zu vermeiden, unterblieben dabei flächendeckende Räumungen weitgehend. Auch wenn bislang keine quantifizierende Analyse vorliegt, ist evident, dass ein guter Teil der ursprünglich informellen Siedlungsstrukturen bis heute besteht und einen prägenden Bestandteil der patchwork city der Wiener Semiperipherie bildet.[5] Emanzipatorische Ansätze der ersten Stunde, wie das Infragestellen des bürgerlichen Eigentumsrechtes oder basisdemokratische Genossenschaftsformen, sind aber, so sie überhaupt vorhanden waren, schon vor vielen Jahrzehnten abgestorben. Zwar gelang es den SiedlerInnen nach 1918 in einem historisch einmaligen poor people’s movement die Wohnungsfrage zum politischen Hauptthema zu machen, ihre Form der Problemlösung, die Stadt der Siedler und Gärtner, konnten sie aber nicht durchsetzen. Siedlungsfrage und Emanzipation wurden so voneinander entkoppelt und von konservativen SiedlungsbefürworterInnen besitzindividualistisch und politisch reaktionär vereinnahmbar (Frei 1991, S. 171 f.). Was von der raumgreifenden Selbsthilfe bis heute blieb, ist neben der schon von Otto Neurath erkannten Tendenz zur kleinbürgerlichen Vereinsmeierei vielfach nur der Einzige und sein Eigenheim (Bourdieu 2002). Und in Form von ausgedehnten, weitgehend privatisierten suburbanen Flächen eine stadtplanerische Hypothek, die dereinst auch wieder ein Potenzial werden könnte: Denn wer könnte die gutartige Vision einer Stadt der Siedler und Gärtner für die Zukunft schon dezidiert ausschließen?
Auch von den in Wien über viele Jahrzehnte beobachtbaren Prozessen der Aneignung, Formalisierung, Konsolidierung und Verdrängung lässt sich einiges lernen, gerade auch in Hinblick auf die Analyse gegenwärtiger Phänomene ungeplanter Stadtentwicklung in aller Welt. Dazu bedarf es allerdings noch einer breiteren, räumlich expliziten Erforschung des
wilden Siedelns in Wien mit Blick auf die gesamtstädtischen Entwicklungslinien, insbesondere für die Zeit nach 1934. Wünschenswert wäre zudem eine darauf aufbauende, gleichermaßen kritische wie sachliche Debatte über die Bewertung dieses in der Stadtforschung bisher vernachlässigten Themas. Die ursprünglich elenden Produktions- und Lebensbedingungen sollten dabei weder in einer neoliberal gefärbten Romantisierung als kreatives Unternehmertum noch als Wohlfühl-Gartln missverstanden werden. Andererseits darf eine kritische Aufarbeitung der informellen Raumproduktion die ambivalenten Folgen für die Stadtplanung der Gegenwart nicht unterschlagen – wie auch immer man zu deren Formen, Institutionen und Instrumenten stehen mag.
Friedrich Hauer und Andre Krammer sind Stadtforscher in Wien.
Das Symposium Bretteldorf revisited (5.–6. 10. 2018 im Az W in Wien) widmet sich der Frage der informellen Raumproduktion in Wien und darüber hinaus. Die Arbeit an diesem Beitrag wurde vom Bundeskanzleramt der Republik Österreich und der Kulturabteilung der Stadt Wien im Rahmen der Projektausschreibung 100 Jahre Republik in Österreich gefördert. Die Verfasser danken Christoph Sonnlechner (WStLA), Sándor Békési (Wien Museum), Melanie Hollaus, Judith Leitner, Christina Spitzbart-Glasl, Harald Lehrner und Markus Mraz.
Fußnoten
1918 umfassten diese offiziell bereits 2,8km² Gärten für etwa 10.000 Familien (Mattl 2013). ↩︎
Ein relativ weit gefasster Begriff des Informellen scheint uns gerechtfertigt, da es sich bei dem hier Dargestellten um eine spontane, die formelle Stadt, ihre Planungsinstrumente und Institutionen herausfordernde, aus der Masse der StadtbewohnerInnen kommende Tendenz handelte. Wir sind uns allerdings bewusst, dass es nicht immer leichtfällt, zwischen dem wilden, halbwilden und gezähmten Siedeln und Gärtnern zu unterscheiden. Tatsächlich sind das oft Entwicklungsphasen ein und derselben Anlage, wobei der Weg nicht immer linear von der Illegalität in die Legalität führte: auch aus einem formal korrekt initiierten Kleingartengebiet konnte bzw. kann durch Ausbau und Nutzung eine informelle Kolonie werden. SiedlerInnen unterschieden sich i.d.R. von KleingärtnerInnen dadurch, dass sie von Anfang an das jeweilige Grundstück zu Wohnzwecken nutzen wollten bzw. durften. ↩︎
Planmäßige Einzelhaussiedlungen, Villengebiete oder die von Gemeinde Wien bzw. Bund errichteten Flachbauten sind hier nicht mit einberechnet. ↩︎
Nettozuwachs 1960er Jahre: 105.000 WE. Auch die Wiener Siedlungsgenossenschaften wandten sich nach 1945 vom Flachbau ab. ↩︎
Gerade die oft als Zwischennutzung auf brachen Baufeldern in dichten Wohnvierteln liegenden Kleingärten wurden allerdings seit den 1950er Jahren großflächig aufgelöst und die Terrains wieder einer ordnungsgemäßen Entwicklung zugeführt. Dennoch sind die Kleingartenflächen absolut noch immer bedeutend: Das Statistische Jahrbuch der Stadt Wien weist für 2015 (S. 15, 35) knapp 15 km² aus, bei Bauflächen von insgesamt 149 km². ↩︎
Andre Krammer ist Architekt und Urbanist in Wien, Redakteur von dérive und lehrt am Forschungsbereich Städtebau an der TU Wien.
ist Stadtforscher und Umwelthistoriker in Wien.
Amtsblatt der Stadt Wien. Wien 1892-, Stadt Wien - Presse- und Informationsdienst.
Bauer, Otto (1923): Die österreichische Revolution. Wien: Wiener Volksbuch.
Bobek, Hans & Lichtenberger, Elisabeth (1978): Wien: bauliche Gestalt und Entwicklung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wien: Böhlau.
Bourdieu, Pierre et al. (2002): Der Einzige und sein Eigenheim. Hamburg: VSA-Verlag.
Brunner, Karl H. (1952): Stadtplanung für Wien: Bericht an den Gemeinderat der Stadt Wien. Wien: Verl. für Jugend u. Volk.
Czeike, Felix (1959): Wirtschafts- und Sozialpolitik der Gemeinde Wien in der ersten Republik (1919–1934), Bd. 2. Wien: Verl. für Jugend u. Volk.
Danneberg, Robert (1930): Das neue Wien. Wien: Verl. d. Wiener Volksbuchhandlung.
Eder, Ernst Gerhard (2015): Schüler/innen, Schulen und Bildungspolitiken seit 1770. In: Weigl, Andreas: Sozialgeschichte Wiens 1740–2010: Soziale und ökonomische Ungleichheiten, Wanderungsbewegungen, Hof, Bürokratie, Schule, Theater. Wien, Innsbruck: StudienVerlag, S. 585.
Frei, Alfred Georg (1991): Die Arbeiterbewegung und die »Graswurzeln« am Beispiel der Wiener Wohnungspolitik 1919–1934. Wien: Braumüller.
Heiss, E.W. (1965): Das Problem der Wilden Siedlungen. In: Stadt Wien, 86/87, S. 6–7/14–15.
Hösl, Wolfgang & Pirhofer, Gottfried (1988): Wohnen in Wien 1848–1938. Studien zur Konstitution des Massenwohnens. Wien: Deuticke.
Hoffmann, Robert (1987): »Nimm Hack’ und Spaten ...«: Siedlung und Siedlerbewegung in Österreich 1918–1938. Wien: Verlag für Gesellschaftskritik.
Hoffmann, Robert (1985): Die Geschichte vom »Bretteldorf« – »Wilde« Siedler gegen das Rote Wien. In: Unterdrückung und Emanzipation: Festschrift für Erika Weinzierl, Ardelt, Rudolf G.; Huber, Wolfgang & Staudinger, Anton (Hg.) Wien-Salzburg: Geyer-Edition, S. 195–219.
Jonas, Franz (1955): Wiener Probleme. Eine Sammlung der Radioreden des Bürgermeisters der Stadt Wien Franz Jonas 1954/1955. Wien: Verlag für Jugend und Volk.
Krippner, Ulrike (2014): »Wilde« Nutzungen und Planungsutopien. Das Areal des Donauparks vor 1964. In: Krippner, Ulrike; Lic´ka, Lilli & Martina Nußbaumer (2014): WIG64 Die grüne Nachkriegsmoderne. Wien: Metroverlag, S. 39–44.
Lettmayer, Ferdinand (Hrsg.) (1958): Wien um die Mitte des XX. Jahrhunderts. Ein Querschnitt durch Landschaft, Geschichte, soziale und technische Einrichtungen, wirtschaftliche und politische Stellung und durch das kulturelle Leben. Wien: Verlag für Jugend und Volk.
Licka, Lilli & Krippner, Ulrike (2011): 50 Jahre Donaupark: stadt-planerische Vision und Dimension. Studie zu den stadtplanerischen Visionen und Strategien, die zur Realisierung der Wiener Internationalen Gartenschau WIG 64 und zur Errichtung des Donauparks führten. Wien: MA18.
MA18 (1982): Bericht über Wald- und Wiesengürtel; Kleingärtnerische Nutzungen und »Wilde Siedlungen«, Kleingartenkonzept; Landschaftsrahmenplan. Wien: Archiv der MA18, Inv. Nr. SEP-B02246.
Mattl, Siegfried (2013): Lob des Gärtners. Der Krieg und die Krise der Urbanität. In: Im Epizentrum des Zusammenbruchs. Wien im Ersten Weltkrieg. Wien: Metroverlag, S. 470.
Novy, Klaus & Förster, Wolfgang (1985): Einfach bauen: Katalog zu einer wachsenden Ausstellung. Genossenschaftliche Selbsthilfe nach der Jahrhundertwende; zur Rekonstruktion der Wiener Siedlerbewegung. Wien: Verein für Moderne Kommunalpolitik.
Pfoser, Alfred & Weigl, Andreas (2017): Die erste Stunde Null: Gründungsjahre der österreichischen Republik 1918–1922. Salzburg, Wien: Residenz Verlag.
Pirhofer Gottfried & Sieder, Reinhard (1982): Zur Konstitution der Arbeiterfamilie im Roten Wien: Familienpolitik, Kulturreform, Alltag und Ästhetik. In: Mitterauer, Michael & Sieder, Bernhard (Hg.) Historische Familienforschung. . Frankfurt/M.: S. 326–368.
Schütte-Lihotzky, Margarete (2004): Warum ich Architektin wurde. Salzburg: Residenz-Verlag.
Schweitzer, Renate (1972): Der staatlich geförderte, der kommunale und der gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsbau in Österreich bis 1945. Wien: Techn. Hochschule, Dissertation. [Zitat Josef Dobretsberger ursprünglich aus: Die Baugenossenschaft 10/1937, S. 67 f.]
Seiß, Reinhard (2013): Wer baut Wien? Hintergründe und Motive der Stadtentwicklung Wiens seit 1989. Salzburg, Wien: Pustet.
Der Siedler: Zeitschrift des Österreichischen Siedlerverbandes, Wien 1946–1964; erscheint seit 1964 als Siedlung und Eigenheim.
Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien. Wien 1883-, Herausgeber: Magistrat der Stadt Wien, MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik.
Stiefel, Dieter (1983): Die Zukunft liegt in der Vergangenheit. Innenkolonisation und nahrungswirtschaftliche Siedlung als atavistische Utopie der Zwischenkriegszeit. In: Altfahrt, Margit (Hrsg.): Die Zukunft liegt in der Vergangenheit: Studien zum Siedlungswesen der Zwischenkriegszeit. Wien: Deuticke, S. 101.
Weinberger, Ingeburg (2015): NS-Siedlungen in Wien. Projekte, Realisierungen, Ideologietransfer. Wiener Studien zur Zeitgeschichte, Bd. 7. Wien, Berlin: LIT Verlag.
WKlG (1996): Gesetz über Kleingärten (Wiener Kleingartengesetz 1996). Aktuelle Fassung (letzte Novellierung 2013), online unter: https://www.wien.gv.at/recht/landesrecht-wien/rechtsvorschriften/html/b2400000.htm (Stand 17.01.2018).
Zimmerl, Ulrike (2002): Kübeldörfer: Siedlung und Siedlerbewegung im Wien der Zwischenkriegszeit. Wien: Österr. Kunst- und Kulturverlag.
Abkürzungen
ÖNB = Österreichische Nationalbibliothek
RP = Reichspost
WStLA = Wiener Stadt- und Landesarchiv