Christina Röthig

Christina Röthig ist Mitarbeiterin der GWA St. Pauli.

Christoph Schäfer

Christoph Schäfer ist Künstler in Hamburg.

Lisa-Marie Zander

Margit Czenki

Margit Czenki ist eine Hamburger Filmemacherin und Künstlerin, Mitglied des Park Fiction Komitees und Gründungsmitglied der PlanBude.

Patricia Wedler

Renée Tribble

Renée Tribble ist Gründungsmitglied der PlanBude und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Städtebau und Quartierplanung der HCU Hamburg.

Team PlanBude


Zeichnung , Foto: Christoph Schäfer für PlanBude, 2014
Zeichnung , Foto: Christoph Schäfer für PlanBude, 2014

...die PlanBude entsteht in einer dramatischen Situation. Hypergentrifizierung, Disneyfizierung und Standardisierung der Reeperbahn, Evakuierung der Esso-Häuser, Neubauten denen die Anschlussfähigkeitan die Eigenlogik von St.Pauli fehlt: Das Vertrauen in die Stadtplanung von Investoren und Behörden ist an einem Tiefpunkt angelangt.
»Wir nennen es PlanBude«, Konzept, Sommer 2014

Die PlanBude steht direkt an der Reeperbahn, mitten auf St. Pauli. Zwei Kopf an Kopf montierte Container mit verglasten Seitenfronten und Dachterrasse, direkt am Bauzaun der ab-gerissenen ESSO-Häuser platziert. Hier haben wir in den letzten Monaten über 2.300 Beiträge – Zeichnungen, Ideen, Modelle, Wünsche, notierte Haustürgespräche, über Stunden ausgefüllte Fragebögen, Workshopergebnisse – für neue ESSO-Häuser an der Reeperbahn gesammelt. Die PlanBude wurde im Ballsaal des FC St. Pauli aus der Stadtteilversammlung St. Pauli selber machen heraus gegründet. Sie ist ein Kind der Hamburger Recht-auf-Stadt-Bewegung. Nur vor diesem Hintergrund konnten wir unser Konzept politisch durchsetzen und eine vielfältige Praxis entwickeln. Die hier erprobten Beziehungen zwischen autonom strukturierter Selbstorganisation, konfliktorientierter sozialer Arbeit, interventionistischer Kunstpraxis und Musikszene-Vibe erweitert das multidisziplinäre Team um eine Lefebvre- und wettbewerbsgeschulte Stadtplanung. Mit diesem strukturellen, strategischen und operativen Wissen und dem Votum der engagierten BewohnerInnen im Rücken trauten wir uns zu, einen Bottom-up-Planungs-prozess im Viertel anzugehen: Im Auftrag des Bezirks. Beauftragt von der Stadt. Für ein Gelände, das einem privaten Eigentümer, der Bayerischen Hausbau, gehört. Zudem an einer der teuersten Straßen, in einer der reichsten Städte Europas. Kann das gut gehen?
Eine solche Konstellation ist zwangsläufig fragil. Sie erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Leuten mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten. Man muss sich auf seine Leute verlassen können und zur Not etwas im Kreuz haben, also Support und Handlungsfähigkeit. Jetzt, während wir an diesen Zeilen schreiben, läuft der städtebauliche Wettbewerb für die »Neubebauung am Spielbudenplatz« – auf Basis einer Ausschreibung, deren Grundlagen die PlanBude aus den Beiträgen des Beteiligungsprozesses abgeleitet und entwickelt hat. Die Jury wird in fünf Tagen entscheiden, und vielleicht ist der Planungsprozess schon bei Drucklegung dieses Heftes gescheitert. Es besteht allerdings eine große Chance, dass einer jener Entwürfe gewinnt, die diese Grund-lagen zutiefst verstanden und produktiv weiter entwickelt haben. Womit wir einen entscheidenden Schritt weiter wären: Hin zu einer grundsätzlich anderen, sozialen, kollektiven und leidenschaftlichen Stadtplanung; zu einem Stück Stadt, in dem sich St. Pauli weiterentwickeln kann; zu einer Stadt der An-eignung, die das lokale Wissen ernst nimmt.
Statt in der Beschreibung des Projekts einfach fortzufahren, erlauben wir uns an dieser Stelle, eine provisorische Agenda aufzustellen – auf Basis der PlanBuden-Erfahrung.

1. Grundsätzlich werden: Wahre Liebe kennt keine Grenzen

Die Frage Was für eine Stadt wünschst Du Dir? öffnet eine Büchse der Pandora, vor der Politik, Verwaltung und Wirtschaft eine sehr grundsätzliche Angst haben: Kontrollverlust droht, Fachkompetenzen werden hinterfragt, die Ent-scheidungsmacht des Investors steht auf dem Spiel. Auch für politische Initiativen ist das eine Herausforderung – wird die eigene Maximalforderung umgeworfen? Werden wir über den Runden Tisch gezogen? Werden Initiativen zu schnell zu konkret, verlagert sich die Diskussion rasant hin zu Finanzierungsfragen, zu gesetzlichen Rahmen- oder Förderbedingungen. Diese Überlegungen schränken die Phantasie ein, und sie schließen eine große Zahl an Menschen aus.
Warum entscheiden wir, die BewohnerInnen, eigentlich nicht immer über Aussehen, Funktion und Programm unserer Städte, unserer Umgebung? Die Frage reißt den Horizont auf.

2. Hab Vertrauen, hab Netzwerke!

Während die Verhandlungen über den Planungsprozess mit dem Bezirk beginnen, schiebt sich ein kurioser Wohn-wagen an den Bauzaun. Einige NachbarInnen finden, sie sollten schonmal testen, wie es sich anfühlen würde, an genau dieser Stelle ein unabhängiges Planungsbüro aufzumachen. Die Politik weiß ab da, dass die Initiativen den Planungsprozess selbst in die Hand nehmen werden – nur für den Fall, dass der Bezirk auf die Idee käme, ein unverfänglicheres Planungsbüro mit der Beteiligung zu beauftragen.

4. Sei neugierig

Eine Plattform des Austauschs für das lokale Wissen macht überhaupt keinen Sinn, wenn die Ideen der Vielen mit einer Quasi-Neutralität abgefragt werden. Neugier auf die ungehörten Stimmen, Interesse an abweichenden Perspektiven und Ausdrucksweisen befeuert einen solchen Prozess. Menschen bemerken den Unterschied zwischen einer unwillkommenen Pflichtübung und einem ernsthaften Interesse an einer gemeinsamen Ideenentwicklung genau.

5. Sei vor Ort (verräumliche Dein Begehren)

Städtischer Raum wird im Alltag mit dem Körper erfahren, erlaufen – und genau dort, in dieser Erfahrung, muss ein öffentliches Planungsbüro arbeiten. PolitikerInnen verstehen das Potenzial dieser Raumpolitik – und versuchten zunächst, das Projekt aus dem öffentlichen Raum fernzuhalten. Die PlanBude vor Ort, direkt am Grundstück, erspart eine Menge Erklärungen – und ist eine für alle verständliche Ansage, dass dieser Planungsprozess kein Spiel ist.

6. Sei offen

– im doppelten Sinne: Öffnungszeiten fünf Stunden pro Tag, sechs Tage die Woche, für jeden zugänglich. Kreativität braucht Zeit und Ideen müssen entwickelt werden.

7. Rede mit allen

Unter Niedrigschwelligkeit verstehen wir nicht das Abschleifen von Anspruch und Gestaltung auf ein angenommenes, allgemeinverständliches Normalformat, sondern ein breites Angebot an Zugangsmöglichkeiten zum Planungsprozess: Fragebögen in alle Briefkästen St. Paulis, Übersetzung in die fünf meistgesprochenen Sprachen des Viertels, verteilt in die entsprechenden Läden und Kneipen. Mehrsprachige PlanBuddies. Haustürgespräche in Kooperation mit der Gemeinwesenarbeit St. Pauli – lückenlos im direkten Umfeld. Eine Planungstour und Workshops in Kneipen, Treffs, Kaschemmen des Viertels. An die Orte gehen, wo die NachbarInnen sich sicher fühlen und in der Überzahl sind, nicht nur an Szene-Orte oder Läden der bildungsnahen Schichten. Einjährige Urbanismus-Intensivkurse für SchülerInnen der Stadtteilschule. Populäre Planungsme-thoden, die komplexe Aussagen auch ohne Sprache ermöglichen.

8. Branding & Auftreten: Schaff Dir ein Image und setze es durch

Die PlanBude hat zum Start ein kleines, roughes Design-Arsenal zusammengestellt, und daraus schnell einen Stil entwickelt: Ausschließlich blaues und orangenes Klebeband für Haustürflyer, in d.i.y.-konstruktivistischer Weise verklebt, als signalhafte Deko für den Planungscontainer und als grafisches Element auf Postern; Schablonenschrift für Slogans, auf einem Vorhang aus geschnittenen Streifen in der PlanBude selbst, auf Jacken und auf Schlüsselbändern für PlanBuddies. Klebeband als Branding auf zusammen gespaxtem Inventar, auf taktischen Planungsmöbeln für den Straßenraum. Eine signifikante Sichtbarkeit im Stadtraum, die Varianten und Freiheiten zulässt und unterschiedliche Veranstaltungen und Formate verbindet.
Stil macht Haltung sichtbar und hilft dabei, unseren ernst gemeinten Beteiligungsprozess von amtlichen Beteiligungsfallen zu unterscheiden.

9. Sei ernst. Sei verspielt. Erfinde neue Methoden.

Können 1,3 Kilo Knete die Welt verändern? Stadtgestaltung ist vielfältig und komplex. Wie können die einzelnen Facetten handhabbar und durch das eigene Zutun veränderbar werden? 24.000 qm Baugrundfläche – knapp 2,5 Fußballfelder, auch der Vergleich hilft nicht weiter, um die Baumasse zu verstehen. Im Maßstab 1:500 wird es greifbar. 1,3 kg Knete müssen auf ein Feld von knapp 14 x 18 cm untergebracht werden. Was nicht mehr drauf passt ist zu viel, was man an mehr braucht, kann abgewogen und gemessen werden.
Auch die Nachtkarte St. Pauli bei Nacht 2020 benutzt dieses Prinzip. Auf schwarzem Hintergrund mit bunten Leuchtstiften lässt sich die Ansicht am Spielbudenplatz malen. Fenster beginnen zu leuchten, Schriften und Figuren erstrahlen und helle Eingänge laden zum nächtlichen Trubel und Erleben ein. Schon der erste Strich macht Spaß, jede Zeichnung sieht wundervoll aus.

10. Bewaffne deine Wünsche

In Zeiten des kreativen Imperativs steht das Schöpferische zu Recht unter dem Verdacht, als Element einer neoliberalen Generalmobilmachung, Subjektivität der kapitalistischen In-Wert-Setzung dienstbar zu machen. Auf Kreativität zu verzichten, hieße aber, eines der wirkungsvollsten widerständigen Werkzeuge aufzugeben. Es ist enorm wichtig, neue ästhetische Mittel zu finden, eine anregende Atmosphäre zu schaffen, einen Resonanzraum für Ideen. Jedoch:

11. Jede Wunschproduktion beginnt mit einem »Nein«

12. Verblüffen, verführen, Situationen herstellen

Eine klassische Strategie von Kunstwerken (oder Musik, oder Filmen) besteht darin, durch Verblüffung, ästhetische Überrumpelung, Regelverstöße oder Verrätselung die alltägliche Sicht zu unterbrechen, durch Schönheit Interesse zu erzeugen und so den Weg für eine erweiterte Vorstellungskraft frei zu machen. Unser Legomodell im Maßstab 1:150 lockt Kinder und bringt Erwachsene dazu, bis zu fünf Stunden am Stück an ihrem Modell zu arbeiten; ein Fragebogen, den man drehen muss, erzwingt eine andere Herangehensweise; ein Budenzauber mit DJ Patex verzaubert die Atmosphäre; eine zehn Stunden Calvino-Lesung, ein experimenteller Soundwalk schaffen Situationen, die es erleichtern, die Denkrichtung zu ändern.

13. Unberechenbar bleiben

Zur Eröffnung der PlanBude spricht, zwischen Bandauftritten, auch der Bezirksamtsleiter Andy Grote (der nach zähen Verhandlungen seit Vertragsabschluss das Verfahren und die Umsetzung der Ergebnisse des PlanBude-Prozesses nachdrücklich unterstützt). Vor Beginn der Rede stellt sich, unabgesprochen, ein schwarz gekleideter Mann mit einer gigantischen, sternenförmigen Brille breitbeinig an den hinteren Bühnenrand: »Ich bin die Security.« Der Politiker nimmt es mit Humor, und dennoch: Es bleibt ein prinzipielles Uneinverstandensein im »Ja« der Eröffnung. Anderntags erscheint kein Foto des Politikers ohne den Außerirdischen Knarf Rellöm im Hintergrund. Der Konflikt bleibt sichtbar.

Stadtplanung selber machen – NachbarInnen arbeiten in der PlanBude mit dem Knetmodell, Foto: PlanBude / Margit Czenki 2014
Stadtplanung selber machen – NachbarInnen arbeiten in der PlanBude mit dem Knetmodell, Foto: PlanBude / Margit Czenki 2014

14. Partizipation ist super

Partizipatorische Prozesse finden meist im zuvor eng abgesteckten Rahmen statt. Oder sie sind vollkommen frei – und vollkommen folgenlos. Dabei negieren sie die Power der Interessierten. Hier bekundet jemand nicht nur einen ver-meintlichen Widerspruch, sondern ein ernsthaftes Interesse an einem bestimmten Ort. Hier gilt es die Grenzen zu ver-schieben, auszuweiten, aufzubrechen und damit auszuloten, wie neue Sichtweisen neue Möglichkeiten und damit Alternativen produzieren.

15. Bildet Plattformen

Informationsveranstaltungen, wie in vielen Beteiligungsprozessen üblich, bieten keinen Rahmen, um seine eigenen Vorstellungen einzubringen, auszuprobieren und mit anderen zu überprüfen. Auf der anderen Seite braucht es einen offenen Ausgang – der PlanBuden-Prozess konnte nur gelingen, weil sich alle Beteiligten auf ein ergebnisoffenes Verfahren einstellten. Zwar gab es inhaltliche Rahmen (hier wird gebaut), doch für das Unverhoffte, Utopische muss man den Rahmen verlassen können.

17. Potlatch statt tabula rasa

Ausgerechnet am Nikolaustag trägt uns ein Mann von nebenan ein monströses, liebevolles Modell in die Bude: Ein Styropor-Hybrid aus den alten ESSO-Häusern und der Roten Flora, mit liebevoll begrünten Dächern, per Fotokopie rekonstruierten Fassadenteilen und Geschäften und einem Stadtteilbalkon zur Reeperbahn. Halb ernst gemeinter Vorschlag und Modell, halb ironisch-liebevoller und kenntnisreicher Kommentar zur Immobilien-Entwicklung auf St. Pauli.
Das Geschenk provoziert – und gefühlt wird ab da aus einer Einladung zur Beteiligung ein Dialog der Ideen. Der Prozess bekommt Schwung. Weißes Papier ist neutral – aber nicht genug.

18. Sprich mit vielen unterschiedlichen Stimmen

Vielleicht das wichtigste Element von allen: Nicht jede Veröffentlichung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner runterschrauben, sondern Subjektivität forcieren und unterschiedliche kulturelle, professionelle oder generationelle Sprechweisen sichtbar machen. Sich trauen, persönlich zu sein. Schwer zu erreichen, aber wir arbeiten dran.
Im Team der PlanBude gibt es 40-50 Jahre Altersunterschied, ein enormes Gefälle an unterschiedlichen Erfahrungen, kulturellen Hintergründen, Energien, Nachbarschaftsbezügen, professionellen und Freundschaftsnetzwerken – Ausgangsbasis für alles weitere und eine Vervielfältigung der Anknüpfungspunkte.

19. Neuland betreten

Verhandeln auf Augenhöhe: In dem spannungsgeladenen und asymmetrischen Dreiecksverhältnis zwischen Investor, Stadt bzw. Bezirk und Initiativen hat sich ein Feld geöffnet, das Möglichkeiten und Lerneffekte bei allen Beteiligten ausgelöst hat. Stadtentwicklung hier mal weitgehend anders gemacht: partizipativ im Wortsinn – Beteiligung nicht nur ermöglichend, sondern auf Beteiligung aufbauend.

20. Sich gegenseitig schlauer machen: Hol dir die Expertise, die du brauchst

In öffentlichen Workshops haben wir die Themen vertieft, die grundlegend sind, um Möglichkeiten und Varianten mit ihren Konsequenzen zu entdecken und zu verstehen: »Wohnträume zu Discounter Preisen – Billig Bauen, Billig Wohnen?«, »Mehr haben durch Teilen« – was lässt sich teilen und wird dadurch mehr? Und wir haben die soziale Frage gestellt, damit Wohnen auf St. Pauli nicht zur Utopie wird: »Daten – Fakten – Wohnungskrise.«

21. Faktencheck: Zählen, überprüfen, visualisieren

Auch nicht ohne: Wie wertet man 2.300 Beiträge aus? Aufgrund der schieren Masse werden selbst Ankreuzfragen (»Was soll das Wohnen auf St. Pauli kosten?«) zur aufwendigen Meisterleistung. Doch wichtiger ist das, was hinter den Zahlen steht. Dafür waren qualitative Auswertungen in mehreren Rundgängen verteilt auf die unterschiedlichen Disziplinen notwendig. Was ist die Hauptaussage einer Zeichnung oder eines Modells? Was wird alles dargestellt? Und was ist der Kern dahinter? Das faszinierende Ergebnis war, dass – egal ob gezeichnet, geknetet oder aufgeschrieben – das Material stark zu ähnlichen Aussagen tendierte: Viel und vor allem bezahlbarer Wohnraum, Wohnraum für wirklich alle, Rückkehr der ehemaligen BewohnerInnen und Gewerbetreibenden, gemeinschaftliche und experimentelle Wohnformen, Orte des Gemeinsamen und Quartiersanker für die Nachbarschaft, Tankstellenersatz und Spiel-, Sport- und hedonistische Entspannungslandschaften auf den Dächern, die Drastik und leuchtende Widersprüchlichkeit an der Reeperbahn, die Kleinteiligkeit und die hohe Eingangsdichte, Orte für Subkultur und konsumfreie Orte.

Grafik — Tumult
Grafik — Tumult
Grafik — Tumult
Grafik — Tumult

22. Der schöne Satz, die überzeugende Zeichnung (Quantität versus Signifikanz)

»Ich wünsch mir den alten Spaßfaktor zurück. Im verstorbenen Karussell die Originaleinrichtung mit all den Fliesen, Tapeten, Plüsch, Brokat, handgemalten Schildern (von Erwin Ross!) übernehmen, eine Künstler-Trinkhalle daraus machen. Wechselnde Ausstellungen an den Wänden (Malerei, Grafik, Fotografie), die Peep-Show kann man abwechselnd für Künstler (Poetry-Slam, kleine Bands mit großem Krach, Songwriter-Slam, Standup-Comedy...) und für den ursprünglichen Zweck (»sexy Sunday Strip« – N.B.: die Damen, die hier gearbeitet haben – jedenfalls in den »richtigen« Peepshows – haben sich um den Job gekloppt! Gute Arbeit ohne Angrabschen). Mein ultimativer Laden ist also eine lustbetonte Sache aus nostal-gischem Siff, leckeren Kaltgetränken, überraschenden (horizonterweiternden) Künstlern, Striptease und Spielkram. Und cold ware und franz. Chansons aus den Boxen. Und außen viel Neon.«

23. Selber Machen!

24. Dranbleiben

Viele Ideen aus dem Stadtteil gehen über das rein Bau-liche hinaus, beziehen sich häufig auf die Stadt des Alltags, auf Läden, Orte und Räume, die benutzt und von Personen und Kollektiven geprägt werden. Die kommenden Verfahrensschritte müssen insbesondere an den neuralgischen Punkten gewährleistet sein und nicht hinter die bis zur Auslobung erfolgte Partizipation zurückfallen. Das gesamte Verfahren würde dann aus Perspektive des Stadtteils an Glaubwürdigkeit verlieren und zur Befriedungstaktik verkommen. Damit aus den Ideen und der großen Bandbreite an Nutzungen und Betreibermodellen ein funktionierendes Gefüge wird, das die kulturellen und sozialen Potentiale aus dem PlanBuden-Prozess entfaltet, ist im nächsten Schritt eine partizipative Projektentwicklung notwendig. PlanBude geht in die nächste Runde.

PlanBude
(Christoph Schäfer, Renée Tribble, Patricia Wedler, Lisa-Marie Zander, Margit Czenki, Christina Röthig).
PlanBude ist ein interdisziplinäres Team aus den Feldern Planung, Kunst, Soziale Arbeit, Film, Musik, Architektur.

www.planbude.de


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