Stadt auf der Straße 2.0
2006 erschien der Artikel Stadt auf der Straße (Bendiks 2006) in dérive, unser prämatures Plädoyer, Verkehrsraum radikal als öffentlichen Raum zu denken. Wie steht es heute, genau 20 Jahre später, um die Transformation von Mobilitätsräumen? Der Artikel sprach sich für eine Aneignung des Raums jenseits einer rein technokratischen Betrachtung von Verkehrsraum aus – und dafür, die genuinen Qualitäten öffentlicher Räume auch in den Mobilitätsräumen wiederzuentdecken. Die dafür vorgeschlagenen Strategien – Bottom-up, Identifikation, Re-Interpretation und Nachbarisieren – zielten auf eine tiefgreifende Einbindung der Zivilgesellschaft.
Die Projekte, die diesen Ansatz illustrierten, formulierten eine Kritik an der Trennung von Infrastruktur und Kontext. Dabei wurde Kontext nicht nur physisch, sondern ausdrücklich auch sozial verstanden. Eine Straße (die N4 in Belgien) zeigte durch ihre direktere Relation zu Bebauung und damit Nutzungen Potenzial der Aneignung von Verkehrsräumen auf. Eine andere Straße (die N470 in den Niederlanden) wurde für einen Tag auf einer Länge von sieben Kilometern von ihren Anwohner:innen im Wortsinn in Besitz genommen und bespielt. Kurz gesagt, der Artikel ist eine Reflexion über den öffentlichen Charakter von Mobilitätsräumen und mögliche Strategien, diesen zu reaktivieren.
Aglaée Degros ist Professorin und Leiterin des Instituts für Städtebau an der Technischen Universität Graz (TU Graz) und Partnerin bei Artgineering. Sie ist Honorary Science Fellow an der Vrije Universiteit in Brüssel (VUB) und Beraterin der Asian Development Bank (ADB).
Stefan Bendiks ist Architekt und Stadtplaner sowie Geschäftsführer des Büros Artgineering in Brüssel und Graz. Er ist Experte der Dutch Cycling Embassy und lehrt zu Architektur und Städtebau an zahlreichen Institutionen in Europa. 2013/14 Professor an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2022 war er Gastkritiker an der Harvard GSD.