Barbara Holub

Barbara Holub ist Künstlerin und Mitglied von transparadiso, einer Platform für Architektur, Urbanismus und Kunst.

David Thorne

Julia Meltzer

Paul Rajakovics


Für die Künstlerseite In Possession of a Picture entwickelten Julia Meltzer und David Thorne (Los Angeles) eine neue Arbeit, die den Beginn ihres Projektes material support darstellt.
Meltzer/ Thorne, die auch unabhängig voneinander ihre künstlerische Karriere verfolgen, kennt man in den USA nicht zuletzt durch ihr Video It's Not My Memory of It, wo es um die Arbeit von (ehemaligen) Geheimdienstagenten geht. Seit Jahren beschäftigen sie sich in ihrem speculative archive, das aus verschiedenen Einzelprojekten besteht, konsequent und in minutiöser Forschungsarbeit mit geheimen Akten und mit Verboten und „Nichtverbietbarem“ nach 9/11. Das Interesse der KünstlerInnen liegt dabei weniger im bloßen Aufdecken geheimer Fakten, als vielmehr in der Montage und Konstruktion von Zusammenhängen anhand dieser Materialien, die sie zu künstlerischen Produkten (meistens Video-, Text- oder Fotoarbeiten) umformulieren und somit die Bedeutung von „Information“, „Geschichte“ und „Beweis“ hinterfragen und erweitern. „Archiv“ ist für Meltzer/ Thorne nicht ein physischer Ort, in dem historische Wahrheit fixiert wird, sondern eher eine Anordnung von sozio-politischen und kulturellen Praktiken, in denen Akten, Objekte und Erinnerungen in einen andauernden Prozess von Interpretation eingehen.
In Possession of a Picture beschäftigt sich mit dem oft nicht-deklarierten Bilderverbot in den USA, das seit 9/11 und dem „war on terror“ noch verschärft wurde. Konkret geht es dabei um Fotos, die fast jedeR machen kann, die jedoch von der Regierung unerwünscht sind. Viele der prominenten Dokumente dieses Krieges kreisen um Spekulationen – über Gewalt und mögliche zukünftige Traumata. Situationen im Zivilleben in den USA, die harmlos anmuten, ziehen oft das völlig überraschende Auftauchen einer Person nach sich, die mitteilt, dass das Fotografieren oder Video-Aufnahmen hier verboten seien. Dies betrifft auch durchaus Objekte bzw. Gebäude die touristisch vermarktet werden. Oft wird mittlerweile ein Besuch oder die Erlaubnis zu fotografieren mit der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft verknüpft. Mehr noch: Werden bei Personen, die aus anderen Gründen festgenommen werden, Videotapes gefunden, so erscheinen diese allein schon dadurch verdächtig, dass diese Personen sie besitzen (auch wenn die Motive vorderhand völlig harmlos erscheinen). Die Frage, wie denn „touristische“ von möglicherweise „terroristischen“ Aufnahmen zu unterscheiden seien, eröffnet für Julia Meltzer und David Thorne ein Arbeitsfeld, welches dabei nicht zuletzt auch den vermeintlichen „Ausnahmezustand“ in den USA behandelt.
Die abgebildeten Fotos von In Possession of a Picture stammen aus dem Internet, die angegebenen Personen wurden als Autoren derselben Motive inhaftiert.


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